„The Last Supper Weserstr.“ macht große Gefühle auch im Kiez zum Thema

Der Galerie im Körnerpark bescherte Askan Sahihi im Herbst 2015 mit der Ausstellung “Die Berlinerin – Das Porträt einer Stadt”, einen ihrer größten Publikumserfolge. 375 Portraits von Berlinerinnen – ohne Aufwand und Filter bei natürlichem Licht zwischen August 2013 und September aufgenommen – wurden damals in einer dreiteiligen Reihe gezeigt.

„The Last Supper Weserstr.“ heißt die neuste Einzelarbeit, die Sahihi am Freitagabend seinen Gästen aus nah und fern vorstellte, die den Weg in die kleine Galerie Weserhalle gefunden hatten, darunter auch die Neuköllner Kulturstadträtin Karin Korte. „Die noch recht junge Weserhalle wartet mit einem sorgsam kuratierten Ausstellungsprogramm auf und setzt auf einen Dialog mit den Nachbarn. Dass der Kosmopolit Askhan Sahihi jetzt mit einer Arbeit in dieser kleinen Galerie aufwartet, spricht für beide Seiten – die Weserhalle und den Künstler. Das hat meine Neugierde geweckt“, erklärte Korte.

Das weltbekannte viereinhalb mal neun Meter großes Wandgemälde mit dem Titel „Das letzte Abendmahl“ schuf Leonardo da Vinci zwischen 1494 und 1498 im Speisesaal des mailändischen Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie. Es zeigt Jesus von Nazareth am Tag vor seiner Kreuzigung umgeben von den zwölf Jüngern an einer langen Tafel sitzend. Dieses biblisch überlieferte letzte Abendmahl ist der Ursprung des christlichen Abendmahls, der Eucharistie. Leonardo da Vincis Abendmahl ist eins der berühmtesten Wandgemälde der Welt; das Motiv wurde seit der Renaissance unzählige Male adaptiert und interpretiert.

Verrat und Gier, Vergebung und Nächstenliebe sind die großen Themen des Werkes. „Alle Menschen auf dem Bild sind Nachbarn der Galerie und leben in einem Umkreis von 250 Metern“, verriet mir Askan Sahihi, der selbst in der Weserstraße schräg gegenüber der Weserhalle wohnt und in seiner Aufnahme da Vincis Werk minutiös nachgestellt hat. „Im Mittelpunkt des Bildes sitzt Tina Schulze, die schon seit 30 Jahren im Kiez lebt“, berichtete er weiter. Links und rechts an den Enden der Tafel sind ein Späti-Betreiber und der Galerist Benjamin Hammond platziert. Die übrigen Akteure, die im Bild an die Stelle der zwölf Jünger getreten sind, kommen aus aller Welt und sind vor fünf bis zehn Jahren in den Kiez gezogen.

Die Weserhalle ist von Donnerstag bis Sonnabend zwischen 12 und 18 Uhr geöffnet.

=Christian Kölling=