Tag der Offenen Tür beim Traditionsunternehmen Bally-Wulff in Rudow

„Ich bin sehr froh, dass Bally-Wulff in Neukölln bleiben konnte und dass die Anlage mit der Produktionshalle groß genug ist, um den neuen Anforderungen nachzukommen.“ Bezirksbürgermeister Martin Hikel verabschiedete sich am vorletzten Freitagnachmittag mit diesen Worten vom Firmeneigentümer Ulrich Schmidt, nachdem er beim Tag der Offenen Tür des Spielautomatenherstellers an einem Rundgang über das Produktionsgelände teilgenommen hatte. Nach mehr als 50 Jahren am Maybachufer in Neukölln verlagerte das mittelständische Traditionsunternehmen den Betrieb im Frühjahr 2018 auf das Gelände am äußersten Ende der Köpenicker Straße sowie auf die Firmenzentrale in der Tempelhofer Colditzstraße. Bei Bally-Wulff arbeiten derzeit 320 Beschäftigte, davon 100 in Rudow, um Geldspielgeräte speziell für die Märkte in Deutschland und Spanien herzustellen. Vorläufer dieser modernen Geräte ist der Totomat, den Firmengründer Günter Wulff 1950 entwickelte. Gegenwärtig ist Bally-Wulff der drittgrößte Spielautomaten-Hersteller in Deutschland.

„Wie schön diese neue Halle ist, kann man erst ermessen, wenn man die alten, auf mehrere Stockwerke verteilten Hallen am Maybachufer kennt“, sagte Geschäftsführer Lars Rogge beim Rundgang. Der Umzug ermögliche die Optimierung der Arbeitsabläufe, insbesondere in den Bereichen Auftragsmanagement, Logistik, Produktion und Technischer Service, die nun auf einer insgesamt 10.000 Quadratmeter großen Fläche in dem eigens erstellten Neubau hocheffizient zusammengefasst seien. Die Mitarbeiter aus den Bereichen Entwicklung, Marketing, Produktmanagement, Vertrieb und Verwaltung seien dagegen in der knapp 4.500 Quadratmeter großen Firmenzentrale in Tempelhof untergekommen.

Erst kürzlich habe eine Änderung der Glücksspielverordnung für den ersten Belastungstest der Produktionshalle gesorgt. 230.000 Geldspielautomaten in ganz Deutschland mussten infolge der Novelle entfernt oder umgebaut werden. „Allein in den letzten acht Wochen sind 25.000 Geräte rausgegangen“, erklärte Rogge. Der Geschäftsführer ist insbesondere ein Experte für politische und rechtliche Fragen des Glücksspielgeschäftes. „In Spanien sind die gesetzlichen Reglementierungen noch strenger als in Deutschland“, führte er beim Gang durch die Werkhalle aus. In der Bundesrepublik gelte das Berliner Spielhallengesetz als äußerst restriktiv.

Besonders skurril sei, dass legale Spielhallen im Stadtstaat laut einer Passage aus Paragraph 6 des Berliner Spielhallengesetzes nicht mehr für die Bequemlichkeit ihrer Gäste sorgen dürften. In Spielhallen „dürfen keine Handlungen vorgenommen oder Bedingungen geschaffen werden, die geeignet sind, zum übermäßigen Verweilen oder zur Ausnutzung des Spieltriebs zu verleiten oder die mögliche Suchtgefährdung zu verharmlosen“, lautet wörtlich der Passus im Gesetz, der Spielhallenbetreiber verpflichten soll, Sessel, Sofas und gemütliche Sitzgruppen aus ihren Räumen zu entfernen. Völlig unverständlich ist für Geschäftsführer Rogge, warum es in Berlin so viele pseudo-gastronomische Café-Casinos und Wettbüros mit Spielautomaten gibt, die von den Regelungen des Gesetzes nicht betroffen seien. „Wir hätten nichts dagegen, wenn diese Kaschemmen geschlossen werden“, kommentierte Rogge.

Schätzungsweise haben rund 50.000 Berlinerinnen und Berliner ein problematisches Spielverhalten, etwa die Hälfte müssen als krankhaft spielsüchtig angesehen werden. Ein deutlich erhöhtes Risiko für problematisches Glücksspielverhalten besteht für junge Männer, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Arbeitslose.

=Christian Kölling=