Azubis des Neuköllner Grünflächenamtes sanierten und bepflanzten Ehrengrab von Reinhold „Krücke“ Habisch auf dem St. Thomas Friedhof

Bald hundert Jahre ist es her, dass der radsportbegeisterte Reinhold Habisch als Berliner Original im Schöneberger Sportpalast in die Geschichte des Sechstagerennens einging. Habisch wäre selbst gerne Radrennfahrer geworden, doch bei einem Verkehrsunfall mit einer Straßenbahn verlor er als 16-Jähriger ein Bein. Er war fortan auf Gehstützen angewiesen, weshalb er den Spitznamen „Krücke“ bekam. Beim Sechstagerennen, über das die Reporterlegende Egon Erwin Kisch 1925 die noch heute lesenswerte Milieustudie „Und dann brüllt das Publikum: ‚Hipp, hipp!‘“ schrieb, sorgte „Krücke“ auf dem sogenannten Heuboden unter dem Dach für Stimmung und wurde allmählich zur schillernsten Figur der Veranstaltung. Berühmt machten ihn vier schrille Pfiffe, mit denen er einen Walzer untermalte, den der Kapellmeister des Sechstagerennens 1923 in sein Musikprogramm aufgenommen hatte. Mit der Pfeif-Einlage wurde der Walzer „Wiener Praterleben“, den einst Siegfried Translateur komponierte, als „Sportpalastwalzer“ zur Hymne des Sechstagerennens.

Unter großer Anteilnahme der Berlinerinnen und Berliner wurde Reinhold Habisch, der am 8. Januar 1889 geboren wurde und am 7. Januar 1964 starb, auf dem Neuköllner St. Thomas-Friedhof beigesetzt. Er zählte viele Berliner Sportler – u. a. Max Schmeling, der ihn bei der Einrichtung eines Zigarrenladens unterstützte – zu seinen Freunden. Sein Grab, das als Berliner Ehrengrabstätte ausgewiesen ist, verfiel jedoch im Laufe der Zeit. Auszubildende des Neuköllner Grünflächenamtes haben das Ehrengrab nun saniert, neu bepflanzt und damit wieder in einen würdevollen Zustand versetzt, teilte das Bezirksamt Neukölln kürzlich mit. Das Grab, mit dessen Sanierung auch ein Stück alter Berliner Geschichte wieder freigelegt wurde, ist auf dem St. Thomas Friedhof am U-Bahnhof Leinestraße in der Abteilung KG 1 – 40 zu finden.

In Berlin gibt es fast 700 Ehrengräber, darunter nur rund 10 Prozent für prominente verstorbene Frauen. Verfallene Berliner Ehrengräber sind immer wieder einmal Thema der Lokalpolitik. Zuletzt erhielt 2018 die Grabstätte des Foto-Pioniers und Erfinders des Kinos Ottomar Anschütz auf dem Stubenrauchfriedhof in Friedenau ihren Staus als Ehrengrab der Stadt Berlin wieder zurück.

=Christian Kölling=