Einzel- und Gruppenausstellung im KINDL-Zentrum eröffnet

„Die Digitalisierung ist die größte Veränderung seit der Industrialisierung, man kann sich ihr nicht entziehen, aber wir wissen nicht, wie sie sich entwickeln wird.“ Anne Schwanz, Gastkuratorin der Gruppenausstellung „Behind the Screen“, die seit heute im Maschinenhaus M2 des KINDL-Zentrums für zeitgenössische Kunst zu sehen ist, fasste es bei der Pressevorbesichtigung am Donnerstag zusammen: „Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler blicken gleichsam hinter den Bildschirm. Mit einem Bewusstsein dafür, wie Verhaltens- und Denkweisen durch die Digitalisierung geprägt werden können, nutzen sie digitale Technologien und Bildsprachen als Medium und Werkzeug künstlerischer Prozesse.“

Machtstrukturen im Kunstmarkt thematisiert Jonas Lund. In seiner neuesten Arbeit „JLT Jonas Lund Token“ kreiert er Aktien seiner künstlerischen Praxis als Kryptowährung, mit denen die Aktionäre strategische Entscheidungen über seine künstlerische Entwicklung treffen können. Constant Dullaart erinnert mit seiner 2013 entstandenen raumhohen Arbeit „Jennifer in Paradise“ an die Anfänge der Bildbearbeitungssoftware Photoshop, die unser Verständnis vom Wahrheitsgehalt von Fotografie revolutioniert hat. Die Bedeutung der Privatsphäre in der digitalisierten Welt hinterfragt Julia Weißenberg und untersucht die Auswirkungen der in den Massenmedien zikulierenden Bilder auf die Selbstwahrnehmung der Menschen. Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo von der „!Mediengruppe Bitnik“ beschäftigen sich in der Serie „Solve this Captcha“ mit Bots, die menschliches Verhalten nachahmen. Künstliche Intelligenz beschäftigt auch Tristan Schulze, der ein künstliches neuronales Netzwerk programmiert hat , das Webvorlagen für einen Handwebstuhl erzeugt. Weitere Arbeiten stammen von Addie Wagenknecht, die die Verflechtungen der Schönheitsindustrie mit militärischer Technologieentwicklung thematisiert, sowie von Gonzalo Reyes Araos, dessen Papierarbeiten der Serie „RGB Paintings“ Fehler der Informations-übermittlung in der physischen und der digitalen Welt sichtbar machen.

„Exhibit Model Four – plus invited guests“ heißt die Einzelausstellung des britischen Künstlers Jonathan Monk (l.), die ebenfalls seit heute im KINDL-Zentrum zu sehen ist. Exhibit Model Four ist eine Installation aus wandfüllenden Fototapeten, die den Ausstellungsraum M1 im Maschinenhaus vollständig auskleiden. Die größtenteils in Schwarzweiß gehaltenen Aufnahmen zeigen Arbeiten Monks aus den letzten 20 Jahren in unterschiedlichen Ausstellungskontexten und Raumsituationen. Kurator Andreas Fiedler erläuterte bei der Vorbesichtigung: „Durch die Verzahnung dieser Ausschnitte mit der gegebenen Architektur des M1 entwickelt der Künstler ein völlig neues, komplexes Raumgefüge. Die Installationsansichten wirken wie aneinandergefügtes Archivmaterial und verdichten sich zu einem Ort, der eine geschärfte Wahrnehmung und eine spezifische Orientierung einfordert.“ Monk kombiniert auch die auf Fotobahnen abgebildeten, eigenen Werke mit real installierten Kunstwerken anderer Künstlerinnen und Künstler. Gezeigt wird u. a. ein Portrait des amerikanischen Künstler Paul McCarthy im Sergeant-Pepper-Gewand des Beatle Paul McCartney.

=Christian Kölling=