„Wussten Sie schon, dass die Britzer Prinzessin ein Prinz war?“

Im 20. Jahrhundert wurden in Neukölln einige bedeutsame archäologische Funde gemacht. Bei Bauarbeiten im Körnerpark entdeckte man 1912 ein germanisches Reitergrab, das vermutlich im 6. Jahrhundert n. Chr. angelegt wurde. Wahrscheinlich aus der gleichen Epoche stammen zwei Gräber, die 1951 im Buschkrugpark in Britz gefunden wurden. In einem Grab befanden sich die Gebeine eines ca. 30-jährigen Mannes. Zwei Meter entfernt wurden das feingliedrige Skelett einer etwa 16-jährigen Person gefunden, die lange für ein Mädchen gehalten wurde. Wegen der wertvollen Grabbeigaben, zu denen u. a. ein Kamm, zwei goldene Anhänger, eine silbervergoldete Bügelfibel und Halsschmuck gehörten, erhielt das vermeintliche Mädchenskelett den Namen „Britzer Prinzessin“.

Eine DNA-Analyse der grazilen Knochen kam kürzlich allerdings zu einem anderen Befund: „Wussten Sie schon, dass die Britzer Prinzessin ein Prinz war?“, überraschte Claudia von Gélieu die Besucherinnen und Besucher, die am vergangenen Mittwochabend zum Auftakt des Frauen-März in die Neuköllner Stadtbibliothek gekommen waren, um ihren Vortag über Gertrud Scholz und andere bedeutende Protagonistinnen der November-Revolution in Neukölln zu hören. Die Frauengeschichtsforscherin widmete das erste Kapitel ihres Buches „Wegweisende Neuköllnerinnen – Von der Britzer Prinzessin zur ersten Stadträtin“ der Britzer Prinzessin und der Archäologin Gertrud Dorka, die die Ausgrabungen leitete. Dorka wurde 1947 Direktorin des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin und war damit die erste Frau in Deutschland, der die Leitung eines staatlichen Museums übertragen wurde. Sie veröffentlichte 1961 unter dem Titel „Die Altertümer Neuköllns“ die erste systematische Übersicht über die vor- und frühgeschichtlichen Funde auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Neukölln. Für ihre Verdienste wurde Gertrud Dorka im Rudower Frauenviertel mit einem Straßennamen geehrt.

Der Kamm des Britzer Prinzen ist in der Dauerausstellung des Museums Neukölln auf dem Gutshof Britz neben 98 weiteren Neuköllner Erinnerungsstücken zu sehen.

=Christian Kölling=