Erster Fachtag zur Pflege arabischstämmiger Senioren in Neukölln

„Arabischsprachige Seniorinnen und Senioren: in Berlin zuhause und gut versorgt!?“ , unter diesem Titel fand am vergangenen Freitag im Rathaus Neukölln mit rund 100 Teilnehmern die bundesweit erste Tagung zur Pflege arabischstämmiger Seniorinnen und Senioren statt. Der Fachtag sollte zum einen alle Akteure des Berliner Pflege- und Versorgungssystems auf die besonderen Bedürfnisse der genannten Personengruppe aufmerksam machen und zugleich die Aktiven der arabischsprachigen Zuwanderer-Community für bestehende Angebote sensibilisieren und darüber informieren.

„Um einer Unter- und Fehlversorgung pflegebedürftiger älterer Menschen mit arabischem Hintergrund entgegenzuwirken, ist eine Anpassung der Bedarfe an Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erforderlich“, formulierte Nader Khalil, Leiter des Deutsch-Arabischen Zentrums, das Ziel des Fachtages, nachdem er eingangs zwei besonders aktiven Senioren für ihr langjähriges Engagement mit Blumen gedankt hatte.

„Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen“, erklärte Bezirksbürgermeister Martin Hikel in seinem Grußwort und dankte allen Beteiligten für ihr Interesse und die Bereitschaft miteinander ins Gespräch zu kommen. „Integration ist für uns Normalität. Die Frage nach der gleichberechtigten Teilhabe wird in unserem täglichen Handeln als Selbstverständlichkeit berücksichtigt“, verwies Hikel auf das kürzlich vorgestellte Integrationskonzept des Bezirkes. „Wir wollen die Menschen befähigen, statt nur versorgen“, erinnerte er an einen der fünf Grundsätze des Konzeptes.

In einem ersten Podiumsgespräch berichteten Dr. Katharina Graffmann-Weschke, Leiterin der AOK Pflege Akademie, Bernd Szczepanski, Bezirksstadtrat für Soziales, a. D. sowie Nader Khalil von ihren Arbeitserfahrungen speziell im Umgang mit arabischen Senioren und ihren pflegenden Angehörigen. Anschließend referierte Dr. med. Jihad Alabdullah von der Charité Berlin über Veränderungen des Alterns unter den Bedingungen von Migration. Nach der Mittagspause konnten sich die Tagungsteilnehmer in vier Gesprächsgruppen – Divane genannt – zu den Themenschwerpunkten Pflegeberatung, Selbsthilfe, altersgerechtes Wohnen und patientengerechte Pflege weiter kennenlernen und ihre Erfahrungen austauschen.

Alke Wierth, Redakteurin der taz, die durch den Konferenztag geführt hatte, leitete auch die Abschlussdiskussion, an der Gesundheitsstadtrat Falko Liecke und der Neuköllner Integrationsbeauftragten Jens Rockstedt sowie die Moderatoren der vier Divane teilnahmen. „Die gesundheitliche Lage der Menschen mit Migrationshintergrund ist für uns besonders relevant“, sagte Gesundheitsstadtrat Liecke und verwies auf eine 2018 speziell dazu erschienene Veröffentlichung des Bezirksamtes sowie auf den Neuköllner Gesundheitsbericht. Brückenbauerinnen in der Pflege, die sprach- und kulturmittelnd Pflegefachkräfte ambulanter Einrichtungen unterstützen, sowie Pflegebedürftige mit Migrationshintergrund und deren Angehörige über ihre Rechte zu informieren, hatten ihre Arbeit in zwei Divanen vorgestellt. Neben dem Einsatz dieser Brückenbauerinnen, die im Tandem mit Sozialarbeitern und ausgebildetem Pflegepersonal arbeiten, wurde auch gefordert, dass mehr junge Menschen mit arabischem Migrationshintergrund sich für Arbeiten in der Pflege -z. B. in der Altenpflege – interessieren sollten. Jens Rockstedt, Integrationsbeauftragter in Neukölln sagte: „Die Diversity-Kompetenz der Verwaltung ist mir sehr, sehr wichtig.“ Derzeit haben 25 Prozent der Auszubildenden im Bezirksamt einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Jugendlichen an der Neuköllner Einwohnerschaft ist deutlich größer.

Pflegestützpunkte sind neutrale und kostenlose Beratungsstellen für Pflegebedürftige, für von Pflegebedürftigkeit bedrohte Menschen, für behinderte Menschen und Angehörige in allen Bezirken. Pflegestützpunkte beraten und unterstützen Sie wohnortnah und individuell bei allen Fragen zur Pflege. In Neukölln gibt es die drei PflegestützpunkteGroß-Ziethener Chaussee 16, 12355 Berlin, Telefon: 030 – 67 06 66 29-0, Mail: rudow@pspberlin.deWerbellinstraße 42, 12053 Berlin, Telefon: 030 – 689 770-0, Mail: neukoellnnord@pspberlin.de / Donaustraße 89, 12043 Berlin, Telefon: 0800 265 080 27110, Mail: neukoellnsued@pspberlin.de
In der Donaustraße ist die Beratung auch in arabischer, englischer, französischer, polnischer, rumänischer, russischer und serbo-kroatischer Sprache nach vorheriger Anmeldung möglich.

Ergänzend zu den Pflegestützpunkten gibt es in jedem Berliner Bezirk eine „Kontaktstelle PflegeEngagement“. Die Kontaktstellen initiieren, unterstützen und vernetzen kleine, wohnortnahe Initiativen und Gruppen, übernehmen aber keine niedrigschwelligen Betreuungsangebote nach §45c SGB XI und keine Pflegeleistungen: Kontaktstelle PflegeEngagement Neukölln, Tel: 030 – 681 60 62 oder 603 20 22, Mail: nord@kpe-neukoelln.de oder sued@kpe-neukoelln.de

=Christian Kölling=