Erinnerungsprojekt „Brundibár“ zu Gast im Kulturstall auf dem Gutshof Britz

Als Gemeinschaftswerk schrieben der Librettist Adolf Hoffmeister und der Komponisten Hans Krása 1938 in Prag die Kinderoper „Brundibár“, die 1941 das erste Mal im jüdischen Kinderheim in Prag aufgeführt wurde. Nach Krásas Deportation 1942 ins KZ Theresienstadt schrieb er die Partitur nach, die er im Original nicht mitnehmen konnte. In Theresienstadt wurde die Oper 55 Mal aufgeführt. Viele der mitwirkenden Kinder wurden wie der Komponist 1944 in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg geriet die Kinderoper zunächst in Vergessenheit. Sie wurde in Schwerin 1997 aber wieder aufgeführt, wo sie bis heute die Arbeit zur Erinnerung an Holocaust prägt. Beim Festival „Verfemte Musik“ wurde Brundibár zuletzt in Schwerin 2018 gezeigt. Der musikalische Leiter des JSO Schwerin, Stefan R. Kelber, brachte die Kinderoper nach Berlin an die Musikschule Paul Hindemith, wo er als Orchster- und Fachgruppenleiter tätig ist.

Im Kulturstall auf dem Gutshof Britz kam das Musikstück gestern Nachmittag zur Aufführung. Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey, Schirmherrin des Projektes „Brundibár“, der Oberbürgermeister der Stadt Schwerin Rico Badenschier und Neuköllns Kulturstadträtin Karin Korte besuchten sie. Vorgestern hatte es bereits als Bestandteil des Erinnerungsprojektes „Brundibár“ eine Schulvorstellung für Schülerinnen und Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums und des Ernst-Abbe-Gymnasiums gegeben. Beiden Aufführungen wohnte der 1931 in Berlin geborene Zvi Cohen bei, der als Kind bei der Oper mitwirkte. Er wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert, wohin bis Kriegsende etwa 140.000 Menschen – darunter ca. 15.000 Kinder – verschleppt wurden Im Februar 1945 gelang Cohen (l.) über die Schweiz aber die Ausreise nach Palästina, wo er seinen deutschen Vornamen Horst ablegte. Heute lebt er im 1933 gegründeten Kibbutz Ma‘abaroth in Israel.

„Ihr Besuch ist eine ganz besondere Ehre für uns alle. Danke, dass Sie da sind und Ihre Erinnerungen mit uns teilen!“, begrüßte Bundesministerin Giffey den Zeitzeugen Zvi Cohen, der die beiden Aufführungen in Berlin gemeinsam mit seinem 16 Jahre jüngeren Bruder besuchte. „Die Kinderoper ‚Brundibár‘ stellt noch heute auf eindrückliche Weise einen musikalischen Weg dar, vom Holocaust zu erzählen. Geschichte ist nicht einfach Vergangenheit – sie formt die Gegenwart, in der wir leben. Sie immer wieder ins Jetzt zu befördern und dabei Wege zu finden, neues Licht auf sie zu werfen, ist daher wichtig für die Gemeinschaft und für jede und jeden persönlich wichtig“, fügte sie an. Giffey wies auch auf das Programm „Jugend erinnert“ hin das aufgelegt wurde, um Austausch und Begegnungen sowie Gedenkstättenfahrten mit entsprechenden Workshops für Schulklassen zu fördern.

Begleitet wurde das Projekt „Brundibár“ außerdem von der Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28 (Room 28)“. Die Ausstellung erzählt – ebenso wie das 2004 erschienene gleichnamige Buch der Autorin Hannelore Brenner – die Geschichte von Mädchen, die zwischen 1942 und 1944 im Zimmer 28 des Mädchenheimes L 410 im Ghetto Theresienstadt zusammenlebten. Von etwa 60 Mädchen, die für eine Weile im Zimmer 28 untergebracht waren, überlebten 15 den Holocaust. Eine besondere Rolle spielt in der Geschichte dieser Mädchen die Kinderoper „Brundibár“.

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Natürlich ist es verdienstvoll, „Brundibar“ von Krasa aufzuführen, aber vielleicht sollte man sich in der Wertigkeit der Aufühhrung in bisschen zurücknehmen. Diese bemerkenswerte Kinderoper ist mit Recht in den letzten Jahren mehrfach in Berlin aufgeführt worden, in unterschiedlichsten Kontexten (allerdings ohne Frau Giffey, die das kleine Werk wahrscheinlich vorher gar nicht kannte – kann man ihr nicht zum Vorwurf machen). Die Musikschule hat hier keine Entdeckung getan, aber etwas sinnvolles.

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