Critical Mass Neukölln: „Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!“

Mehr Aufmerksamkeit für den Radverkehr wünscht sich Johannes Kick (r.), der seit Sommer letzten Jahres regelmäßig an der Critical Mass Neukölln teilnimmt. Bei frühlingshaften Temperaturen – rund 10 Grad wärmer als für die Jahreszeit üblich – versammelten sich gestern Nachmittag ein Dutzend Radfahrerinnen und Radfahrer auf dem Herrfurthplatz, um zu einer zweistündigen, scheinbar zufälligen und unorgani-sierten Tour durch den Bezirk aufzubrechen.

Critical Mass ist eine weltweite Aktionsform, mit der Radfahrende in einer möglichst großen Gruppe unter Beachtung einiger Verhaltensregeln für mehr Verkehrs-sicherheit und ihre umweltfreundliche Art des Individualverkehrs werben. Motto der monatlichen Rundfahrten: „Lass uns gemeinschaftlich Fahrrad fahren. Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!“

„Die Critical Mass Neukölln ist im Kiez eine Alternative für alle, die freitags an der Berliner CM nicht teilnehmen können. Der Verkehr ist sonntags auch etwas ruhiger“, erklärt Kick, der beim Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln mitmacht. Bezirkliche CM-Touren fanden ebenso in Mitte, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf schon statt. Kontinuierlich trifft sich allerdings nur eine Gruppe im Schillerkiez in Neukölln.

Kommen mehr als 15 Radfahrende zusammen, dürfen sie laut Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung einen geschlossenen Verband bilden, für den sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeuges gelten, sofern der Verband deutlich erkennbar ist. Für die Radfahrenden gilt dann u. a. die Radwegebenutzungspflicht nicht und sie dürfen ausnahmsweise zu zweit nebeneinander fahren. Gestern wurde die kritische Masse für eine Fahrt im Konvoi nicht erreicht. „Im letzten Sommer haben schon 40, einmal sogar 80 Menschen mitgemacht“, erinnerte sich Kick bevor er auf sein Rad stieg und in Richtung Hermannstraße davon fuhr.

=Christian Kölling=