„Das Repair-Café ist wie ein Kulturhaus“

„Haben Sie etwas zu reparieren mitgebracht?“ Freundlich und zuvorkommend begrüßt Aylin Aydogan jeden, der an diesem Mittwochnachmittag in den geräumigen Kellerraum des Kinder- und Jugend-zentrums Lessinghöhe im Mittelweg kommt. Die junge Frau betreut seit Ende letzten Jahres das Roll-berger Repair Café, das der Träger Yesil Cember  als Bestandteil des Projektes „Teilen, tauschen, reparieren – Nachhal-tigkeit in der Rollbergsiedlung“ anbietet. „Yesil Cember sensibilisiert und aktiviert türkischsprachige Menschen in Deutschland für Umweltthemen und verbreitet somit nachhaltige Lebensstile“, erklärt Aydogan. Ein dreisprachiges Plakat gibt in Deutsch, Türkisch und Arabisch alle wichtigen Informationen zum nachbarschaftlichen Reparaturservice mit Öko-Anspruch.

„In unserem Repair-Café treffen sich Menschen, um gemeinsam kaputte Dinge zu reparieren. Oft sind es Haushaltsgeräte, manchmal auch Fahrräder, Stereo-Anlagen, Möbel und vieles mehr. So setzen wir ein deutliches Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft“, sagt Aydogan und spitzt das Anliegen des Projektes zu: „Nicht nur die Umwelt, sondern auch der eigene Geldbeutel wird geschont!“

Fachliche Unterstützung geben derzeit Norbert Boenigk und Klaus-Peter Handke (r.), die in der Initiative „Murks? Nein Danke!“ mitarbeiten. Die beiden Techniker, Tüftler und Bastler reparieren seit langem ehrenamtlich und in Kooperation mit der Berliner Baugnossenschaft eG ein Mal monatlich in einer Hofwerkstatt im Dirschelweg 1 in Tempelhof. „Inzwischen gibt es bereits 42 Repair-Cafés in Berlin, manche haben eine Warteliste bis April“, sagt Boenigk. „Der Urknall der Repair-Bewegung war 2007 eine Inititiative der Niederländerin Martine Postman in Amsterdam“, berichtet er. „Ich helfe den Menschen beim Reparieren. Ich zeige ihnen wie es geht“, erklärt Boenigk (l.) die Philosophie der Repair-Bewegung, die sich mittlerweile weltweit verbreitet hat. Das Gerät soll nicht nur einfach vom Fachmann wieder flott gemacht werden, sondern Experten und Laien arbeiten gemeinschaftlich an der Lösung. „Das Repair-Café ist wie ein Kulturhaus“, umschreibt es der ehrenamtiche Reparaturhelfer.

„Wir wolen das Nachbarschafts-netzwerk im Rollberg erweitern“, bekräftigt Aylin Aydogan das Anliegen des Projektes. „Schön wäre es, wenn wir Nachbarn aus dem Rollbergviertel finden, die uns als Fachleute unterstützen können“, fügt sie hinzu. Um das Gemeinschaftsgefühl und die Idee der Repair-Bewegung zu verbreiten, ist im September ist ein müllfreies Kiezfest auf dem Falkplatz im Rollbergviertel geplant.

Das Rollberger Repair-Café im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe (Mittelweg 30) ist an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Die nächsten Termine sind am 27. Februar und 13. und 27. März.

=Christian Kölling=