„Mein Wunsch ist es, dass dieses Buch dazu motiviert, Zeit und Kompetenzen in den Kampf für eine Stadt von unten zu stecken“

„Strategien gegen Gentrifizierung“, lautet der Titel eines kürzlich erschienenen Buches, das am Donnerstagabend in der Galerie des SPD-nahen August Bebel Instituts im Wedding vorgestellt wurde.

„Warum noch eine Einführung zum Thema Gentrifizie-rung?“, fragte selbstkritisch die Autorin Lisa Vollmer am Anfang ihrer Präsentation. „Mit André Holms ‚Wir bleiben alle‘ und Christoph Twickels ‚Gentrifidingsbums‘ liegen bereits zwei Bücher vor, die leicht verständlich in das Phänomen Gentrifizierung einführen“, ergänzte Vollmer, die seit September 2017 als Post-Doktorandin am Institut für Europäische Urbanistik arbeitet und zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Stadtplanung des IfEU war. Im Unterschied zu Holm und Twickel will Vollmer aber eine Darstellung gängiger Gentrifizierungstheorien mit einer systematischen Übersicht der Gegenstrategien vereinen, die soziale Bewegungen in verschiedenen deutschen Städten gefunden haben.

Lisa Vollmer zeichnet dabei verschiedene Arten wie Gewerbe-Gentrifizierung, Touristifizierung oder Neubau-Gentrifizierung nach und erörtert u. a. wie mit Diskursen über „soziale Mischung“ umzugehen ist. .„Meine Arbeit ist nicht nur für Akademiker von Interesse, sondern vor allem für diejenigen, die sich gegen eigene Verdrängung oder die ihrer Nachbarn wehren. Mein Wunsch ist es, dass dieses Buch dazu motiviert, Zeit und Kompetenzen in den Kampf für eine Stadt von unten zu stecken“, sagte Vollmer. Denn ihr Credo lautet: Verdrängung ärmerer Bevölkerungsschichten aus ihrer Nachbarschaft sei das Wesen und kein ungewollter Nebeneffekt der Gentrifizierung. Sie sei aber kein unabwendbares Schicksal, sondern könne mit Gegenstrategien bekämpft werden.

„Genial, dass es so ein Buch gibt“, kommentierte Florian Schmidt (l.), Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Facility Management von Bündnis 90/Die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg. Ingo Siebert (r.), Stadt-soziologe und Moderator des Abends, befragte ihn über das Buch „Strategien gegen Gentrifizierung“ und seine kommunalpolitischen Erfahrungen, bevor der Abend mit einer Publikumsdiskussion über die Perspektiven der Berliner Wohnungspolitik endete.

=Christian Kölling=