Freiwilligenarbeit unter veränderten politischen Rahmenbedingungen

„Ehrenamt wohin?“, unter diesem Titel hatten am vergangenen Mittwochnachmittag Monika Fritsch-Behrens und Dietrich Schippel (r.) vom Sprecherrat des Netzwerkes Ehrenamt Neukölln zum traditionellen Neujahrsempfang in das Bürgerzentrum Neukölln eingeladen.

Die Unterstützungsarbeit für Ehrenamtliche ist im Umbruch, seitdem der Berliner Senat sich die flächendeckende und systematische Förderung und Finanzierung der Freiwilligenarbeit zum Ziel gesetzt hat. Im Dezember 2017 wurde aufgrund der neuen Ehrenamtsstrategie das Neuköllner Engagementzentrum (NEZ) in der Hertzbergstraße eröffnet, das mit seiner hauptamtlichen Ausstattung weit mehr als eine einfache Freiwilligenagentur sein will. Ungeachtet dessen besteht das alteingesessene Netzwerk Ehrenamt Neukölln als rein ehrenamtlich arbeitende Institution neben dem NEZ weiter und steht nun vor der Herausforderung, sich unter veränderten Bedingungen zu behaupten.

Dr. Susanna Kahlefeld, Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation im Berliner Abgeordnetenhaus, informierte eingangs über die gerade laufende Beratung der neuen Engagementstrategie im Landesparlament. Anschließend berichtete die Grünen-Abgeordnete über Leitlinien, die bis Ende 2019 für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Stadtentwicklungsprozessen entwickelt werden sollen. Kahlefeld arbeitet in einem 24-köpfigen Gremium mit, das aus Vertretern von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft besteht und in regelmäßigem Austausch mit der Öffentlichkeit die Leitlinien der Bürgerbeteiligung entwickeln soll.

Die Politikerin, die ihr Abgeordnetenhausmandat im Norden Neuköllns im Wahlkreis Schillerpromenade errang, erinnerte abschließend daran, dass unablässig steigende Gewerbemieten die Existenz zahlreicher Projekte bedrohen. „Alles, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, kann jetzt durch viel zu hohen Gewerbemieten wieder kaputt gemacht werden“, sagte Kahlefeld und forderte von der Bundesebene eine Initiative, die die soziale Infrastruktur unter besonderen Schutz stellt.

Eva-Marie Schoenthal (r.), SPD-Bezirksverordnete und Vorsitzende des BVV-Sozialausschusses, sowie Bernd Szczepanski, Fraktionsvorsitzender der Neuköllner Grünen und früherer Sozialstadtrat des Bezirks, die wie Kahlefeld regelmäßige Gäste des Netzwerkes Ehrenamt sind, waren ebenfalls zum Neujahrsempfang gekommen. „Wir sind immer für sie da“, sagte Schoenthal und versicherte den Netzwerkern, dass sie immer mit der Unterstützung des Sozialausschusses rechnen könnten. Szczepanski, der eine Anstecknadel als Dank für seine jahrelange Unterstützung erhielt, wies daraufhin, wie wichtig das freiwillige Engagement in Neukölln ist. „Ehrenamt wirkt“, sagte er und berichtete, wie eine Zebrastreifen-Initiative aus dem Rollbergviertel dazu führte, dass sich das Bezirksparlament nun für Gehwegvorstreckungen einsetzt, die das Überqueren der Werbellinstraße erleichtern.

Nicht zuletzt war beim Neujahrsempfang auch Zeit für einen Ausblick auf die Arbeit im neuen Jahr. Hans Buchholz, 80-jähriger Organisator der 45. Berliner Seniorenwoche, berichtete über die Vorbereitungen der Woche, die am 31. August auf dem Breitscheidplatz mit 162 Ständen, Informationen, Unterhaltung und einem bunten Bühnenprogramm eröffnet wird.

=Christian Kölling=

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