Szenekneipe Syndikat kämpft weiter für ihr Fortbestehen

“Proletarierer und Autonome, Hipster und Asseln, Studenten und Hartzer – sie alle hat diese Kneipe schon kommen und gehen gesehen.”. So präsentiert das Syndikat, ein 1985 im Neuköllner Schillerkiez gegründeter Kollektivbetrieb, der seit September öffentlich-keitswirksam um die Verlängerung seines Gewerbemietvertrages kämpft, sich heute stand-haft. Dabei ist die Zukunft des Ladens in der Weisestraße 56 weiterhin ungewiss.

Seit dem 1. Januar hat das Syndikat keinen gültigen Mietvertrag mehr. Doch zum Jahres-wechsel verweigerte das Kneipenkollektiv mit anwaltlichem Beistand die Schlüsselübergabe und verließ die Räume nicht. Nun zahlt das Syndikat statt der bisherigen Miete bis auf Weiteres ein Nutzungsentgelt in gleicher Höhe. Damit ist man – zumindest bis zum Ende eines möglichen Gerichtsprozesses – auf jeden Fall vor einer polizeilichen Räumung sicher.

Das Haus der Kneipe gehört offiziell der Firman Properties S.A.R.L., die ihre Adresse in Luxemburg mit 75 anderen Firmen teilt, hinter all denen die William Pears Group steht, wie das Kneipenkollektiv vermutet. Eine Delegation aus Neukölln reiste deshalb im Dezember zum Stammsitz des britischen Immobilienriesen nach London, um den Dialog mit der Pears Group zu suchen und eine Liste mit 4000 Unterschriften für den Erhalt des Syndikats zu übergeben, das in den letzten drei Jahrzehnten sowohl Szenetreff für linke stadtpolitische Basisinitiativen und anarchistische Gruppe als auch „verlängertes Wohnzimmer“ für die Nachbarschaft geworden ist. Doch die Eigentümer beharrten auf der Kündigung und verweigern bis heute – auch mit Journalisten und Politikern – jegliche Kommunikation. „Wir möchten unbedingt bleiben“, erklärte Christian, Sprecher des Kollektivs, am Sonntagnachmittag auf einer Versammlung im Szenetreff, bei der über Möglichkeiten der Unterstützung diskutiert wurde. Das Immobilienunternehmen Pears, dessen Geschäftsschild der Umriss einer Birnenhälfte ziert, verfügt schätzungsweise allein in Berlin über etwa 6.000 Mietobjekte, darunter sowohl Wohnungen und Gewerbe, die offiziell ihren luxemburgischen Briefkastenfirmen gehören.

„Egal was passiert, haben wir vorsorglich bis Juni bei der Polizei einmal monatlich eine Kundgebung vor dem Büro der Pears Global Real Estate Germany am Kurfürstendamm 177 angemeldet“, fügte der Syndikat-Sprecher hinzu. Die nächste Demo findet am kommenden Donnerstag, dem 17. Januar ab 16 Uhr statt.

=Christian Kölling=

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