Ausstellung in der Genezareth-Kirche erinnert an HAP Grieshaber

Zu Ehren des Graphikers Helmut Andreas Paul Grieshaber, der am 15. Februar 1909 im schwäbischen Ort Rot an der Rot geboren wurde und im Mai 1981 starb, zeigt die Genezareth-Gemeinde am Herrfurthplatz eine Ausstellung von acht Reproduktionen seiner „Passion“ genannten Holzschnitte zum Leben, Sterben und Auferstehen Jesu.

„Mich haben die Bilder fasziniert, weil sie in ihrer Sachlichkeit so nah am Bibeltext sind“, sagte Pfarrer Reinhard Kees gestern Vormittag nach dem Gottes-dienst bei der Vernissage. HAP Grieshaber konnte als verfemter Künstler während der Zeit des Nationalsozialismus nicht öffentlich arbeiten. Er beschäftigte sich deshalb in der Reutlinger Marienkirche intensiv mit Kunst und Architektur des Mittelalters, wobei 1935 der Zyklus „Passion“ entstand. Nach dem Krieg wurde Grieshaber, der gelernter Buchdrucker und Schriftsetzer war, u. a. als Bibel-Illustrator bekannt. Während der Zeit der deutschen Teilung wurden seine Arbeiten aber auch in der DDR gezeigt, z. B. auf großen Ausstellungen in Dresden und Rostock, sodass er sich als deutsch-deutscher Künstler bewies.

In der Neuköllner Genezareth-Kirche geht die Skulptur hinter dem Altar, die den brennenden Dornbusch aus dem Alten Testament symbolisiert, auf eine Idee von HAP Grieshaber zurück: Der Architekt Prof. Werner Harting, der für den Wiederaufbau 1959 das Konzept für die Innengestaltung entwickelte, und der Künstler Rolf Szymanski besuchten einmal HAP Grieshaber in Reutlingen. Harting bat Grieshaber um Hilfe für eine Altarwand aus Glas. „Grieshaber schaute aus dem Fenster und sah eine umgedrehte Mistgabel stehen, durch deren Zinken die Sonne schien. Daraus entwickelte Grieshaber die Idee des brennenden Dornenbusches. Harting machte einen Entwurf aus Drahtgeflecht und Zelluloid“, ist in der Dokumentation „Kunst am Bau 1948 – 1978“ überliefert. Die Umsetzung war schwierig, weil ein Drahtgeflecht an statischen Gründen scheiterte. So wurden für die 18 Meter hohe Altarwand schließlich Stahlträger verwendet, in die Szymanski Fenster aus geblasenem Glas einsetzte.

Die Ausstellung ist bis zum 30. April in der Genezareth-Kirche (Herrfurthplatz 14) zu sehen; Öffnungszeiten: Mo. 12 – 16, Di. – Fr. 12 – 18 und Sa. 11 – 15 Uhr.

=Christian Kölling=

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