Radverkehr in Neukölln im Aufwind

Die einzige Radverkehrs-Zählstelle in Neukölln, die am Maybachufer zwischen Hobrechtbrücke und Liberdastraße bereits 2017 weit über eine Million Fahrten registrieren konnte, meldete für das vergangenen Jahr wieder ein Rekordergebnis: 1.804.532 Radfahrerende überquerten 2018 die in die Fahrbahn eingelassenen Induktionsschleifen, das ist ein Anstieg um knapp 200.000 Fahrten und entspricht einer Zunahme von 12 Prozent im Vergleich zu 2017.

„Wir sind guter Dinge, dass 2019 die Zwei-Millionen-Grenze am Maybachufer fallen kann“, kommentierte das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln die Ergebnisse und veröffentlichte auf der Grundlage der amtlichen Daten in seinem Blog eine Graphik, die die Zunahme des Radverkehrsaufkommens illustriert. Nicht nur im Nebenstraßennetz, sondern auch auf den Neuköllner Magistralen Karl-Marx-Straße, Sonnenallee und Hermannstraße fordert die Gruppe mehr Plätz für Räder.

In der Dezember-Sitzung des BVV-Ausschusses für Straßen, Grünflächen und Ordnung brachte die Fraktion der Linken den Antrag „Radverkehr in Hermannstraße und Sonnenallee sicherer machen“ ein, dessen Behandlung allerdings vertagt wurde. Die Linke will, da ein grundsätzlicher Umbau der beiden Straßen bis 2030 dauern soll, kurzfristig den Radverkehr mit einem aufgetragenen Schutzstreifen in Sonnenallee und Hermannstraße sicherer und attraktiver machen. Das Netzwerk gibt allerdings einer durch bauliche Maßnahmen geschützten Radinfrastruktur und sogenannten Protected-Bike-Lanes eindeutig den Vorzug gegenüber einfachen Radstreifen, die nur mit einer Linie auf der Fahrbahn abmarkiert sind.

„Wie steht es mit den Radwegen in Neukölln?“, fragte der FDP-Abgeordnete Bernd Schlömer den Senat und wollte mit einer Schriftlichen Anfrage erfahren, ob in der Sonnenallee, der Hermannstraße und in der Karl-Marx-Straße baulich getrennte Radstreifen vorgesehen sind oder nicht. „Im Abschnitt zwischen Weichselstraße und Hermannplatz wird ab Frühjahr 2019 eine Kombination aus klassischen Radstreifen und einem geschützten Radstreifen (Protected-Bike-Lane) realisiert. Hierfür liegt die Anordnung der Verkehrslenkung Berlin vor“, teilte das Bezirksamt Neukölln als zuständige Stelle mit. „Zur Sonnenallee gibt es aktuell keine Planungen, eine neue Radinfrastruktur zu errichten. Der Bezirk sieht vor, die Weserstraße als parallele Alternative zur Sonnenallee zeitnah zu asphaltieren und anschließend als Fahrradstraße auszuweisen. Sofern die Finanzierung sichergestellt ist, folgen weitere bauvorbereitende Schritte in 2019“, fügten die bezirklichen Straßenplaner in ihrer Stellungnahme vor Weihnachten hinzu. Seit 2017 wird die Donaustraße im Abschnitt zwischen Schönstedtstraße und Pannierstraße asphaltiert, so dass im Nebenstraßennetz für Räder eine Alternative zur Sonnenallee entstehen kann.

Und in der Hermannstraße? Für eine Radinfrastruktur zwischen Hermannplatz und Juliusstraße befindet sich der Planungsprozess im Stadium der Vorplanung, wie Schlömmer erfuhr. Die Planer denken über Radstreifen, Protected-Bike-Lane und Hochbordradwege nach. Diese Varianten sind bisher allerdings noch nicht abgestimmt. Angestrebt wird, dass die Radinfrastruktur – beginnend im südlichen Teil der Hermannstraße – sukzessive ab 2020 hergestellt wird. Aufgrund des frühen Planungsstandes kann das Bezirksamt aber keine weiteren verbindlichen Angaben machen. Erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Führung des Radverkehrsaufkommens in der Hermannstraße sollen allerdings Ende Januar vorliegen, wie das Netzwerk Fahradfreundliches Neukölln in seinem Blog schreibt.

Schon heute um 17 Uhr findet die nächste Sitzung des BVV-Ausschusses für Straßen, Grünflächen und Ordnung im Rathaus Neuköln statt. Die Fraktion der Grünen möchte das Lastenradverleihsystem fLotte Kommunal, das bereits in mehreren Bezirken erfolgreich arbeitet, auch in Neukölln etablieren. Die SPD-Fraktion setzt sich für eine fußgängerfreundliche Querung zwischen der Rollbergsiedlung und dem Nahversorgungszentrum auf dem Kindl-Gelände ein und will prüfen lassen, ob dort ein Zebrastreifen möglich ist. Unterschriften waren für diese Forderung im Rolbergviertel bereits gesammelt worden.

=Christian Kölling=