Neue Straßenbäume für Neukölln

Bizarr ragen in diesen kalten und grauen Januar-Tagen an Neuköllner Straßen die kahlen Äste der Bäume in die Höhe. Fast könnte man vergessen, dass Berlin trotz seiner Straßenschluchten zwischen Frühjahr und Herbst eine der grünsten Metropolen der Welt ist. Knapp 433.000 Straßenbäume gab es Ende 2017 in der gesamten Stadt, wie kürzlich die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel in der Antwort auf ihre Schriftliche Anfrage „Stadtbäume in Berlin“ erfuhr. Nur 20.521 Bäume -unter 5 Prozent des Berliner Bestandes – wurden in Neukölln gezählt; weniger Stadtbäume hat nur der Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Viele Straßenbäume, die in den vergangenen Jahren gefällt werden mussten, konnten aus finanziellen Gründen bis heute nicht ersetzt werden. So bereicherten 2008 noch 20.834 Bäume die Neuköllner Straßen. Bis zum Jahr 2013 war ihre Zahl auf 20.093 gesunken, um nun wieder allmählich zu steigen, auch wenn die alte Marke von 21.000 Stadtbäumen noch längst nicht wieder in Reichweite ist.

Weil die Anpflanzung und Pflege der Straßenbäume kostspielig ist, wirbt die Kampagne „Stadtbäume für Berlin“ gezielt Spenden bei Berlinerinnen und Berlinern ein. Rund 2.000 Euro werden durchschnittlich benötigt, damit ein Straßenbaum gepflanzt und die ersten drei Jahre besonders gepflegt werden kann. Das Prinzip der Spendenaktion ist einfach: Kommen aus Einzel- oder Sammelspenden 500 Euro für einen ausgewählten Baum zusammen, legt der Senat aus Landesmitteln den Rest dazu, damit der Baum gepflanzt werden kann.

In diesem Frühjahr pflanzt die Stadtbaum Kampagne – zu den für das Anpflanzen junger Bäume üblichen Zeiten – in den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Tempelhof-Schöneberg. In der Liste der Neuköllner Baumstandorte, für die noch bis zum 15. März gespendet werden kann, sind u. a. die Donau- und die Leinestraße, Siegfried- und die Glasower Straße wie auch das Weigandufer mit mehreren Bäumen verzeichnet.

Die BVV-Fraktion der Neuköllner SPD spendete erst im November letzten Jahres im Rahmen der Stadtbaum-Kampagne eine junge Hainbuche in der Wildenbruchstraße in Höhe des ehemaligen Verlaufs der Berliner Mauer. Anlass der Spende war ein handfester politischer Konflikt im Bezirksparlament: Die SPD-Fraktion kritisierte, dass Bezirksverordnete der AfD und der BN-AfD eine inhaltliche Sacharbeit der BVV durch regelmäßige Sitzungsunterbrechungen unmöglich machen würden. Viele Drucksachen, Anträge und Große Anfragen müssten deshalb zum großen Teil neu gedruckt werden, weshalb die SPD-Fraktion mit der Baumpflanzung ein Zeichen gegen diese Papierverschwendung setzen wollte.

=Christian Kölling=

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