Abend der Begegnung in Neukölln zum 70. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte

Interreligiöse Feste sind in Neukölln nichts Neues. Schon seit 2005 findet, maßgeblich von der Bürgerstiftung Neukölln initiiert, alljährlich ein Abend der Begegnung statt, der sich dem Dialog verschiedener Glaubensrichtun-gen verschrieben hat. Zu einer interreligiösen Festveranstal-tung anlässlich des 70. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte hat am Montag der Treffpunkt Religion und Gesellschaft e.V. in Kooperation mit der Sehitlik Moschee, der Neuköllner Begegnungsstätte NBS und anderen Institutionen in das Interkul-turelle Zentrum Genezareth (IZG) am Herrfurthplatz eingeladen. Auf dem Programm standen u. a. eine vielsprachige Performance der Menschenrechtserklärung, ein Grußwort des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Martin Hikel und ein Fest-Vortrag von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“, zitierte zur Begrüßung der IZG-Leiter, Pfarrer Dr. Reinhard Kees (l.), den Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das Interkulturelle Zentrum Genezareth sei in dessen Sinne als ein Ort der Begegnung für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen, unterschiedlicher Prägung, sozialer Herkunft sowie unterschiedlichen Alters konzipiert.

„Wir haben ein Antisemistismus-Problem in Neukölln“, beklagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel gleich zu Beginn seiner Rede und erklärte: „28 antisemitische Vorfälle allein von Januar bis Juni 2018 in Neukölln sind nicht hinnehmbar!“ Darüber hinaus wies Hikel auf den Artikel 26 der Menschenrechtserklärung hin, der ein Recht auf Bildung postuliert und gleichsam als Präambel der Neuköllner Bildungspolitik verstanden werde könne: „Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein.“ Diesen Rechten, so Hikel, stünden aber auch Verpflichtungen – wie beispielsweise die Schulpflicht – gegenüber, die wahrge-nommen werden müssten.

Pfarrer Dr. Christian Nottmeier, Superintendent des Evange-lischen Kirchenkreises Neukölln, wies in seinem Grußwort ebenso wie Martin Kalinowski (l.), Pfarrer der katholischen St. Clara-Gemeinde in Neukölln, auf die Bedeutung wie auch auf die Verletzlichkeit der Menschenrechte hin. Ein Gedanke, der im Festvortrag von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl (r.) vertieft wurde, der die Entwicklung der Allgemeinen Menschenrechte seit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 bis zur Behinderten-rechtskonvention 2006 nachzeichnete.

Musik und eine kleine Theateraufführung steuerte das Deutsch-Jüdische Theater zum Kulturprogramm bei. Worte aus den Heiligen Schriften von Christen, Moslems und Juden, Gebete und ein inter-religiöser Gesang mit Cornelia Dette rundeten das Festprogramm ab. Die Möglichkeit zu Information und Begegnung gab es zu vorgerückter Stunde schließlich am kalten Buffet. Die Hälfte der Besucher war bedauerlicherweise so spät am Montagabend allerdings bereits gegangen.

Die Chronik der Veranstaltungsreihe „Abend der Begegnung“ hat das Interkulturelle Zentrum Genezareth in einer Broschüre zusammengefasst.

=Christian Kölling=