1968 revolutionär, heute selbstverständlich

Noch bis zum Ende des Monats ist im Museum Neukölln die Ausstellung „Neukölln macht Schule. 1968-2018“ zu sehen. Die letzte Begleitveran-staltung unter dem Titel „1968 und seine Folgen in der Schule – Am Beispiel des Albrecht-Dürer-Gymnasiums“ fand gestern Abend statt: Michael Cramer, Europa-Abgeordneter und zwischen 1977 und 1995 Sport- und Musik-Lehrer an der ADO, Daniela Dargusch, die von 1973 bis 1979 Schülerin des Gymnasiums in der Emser Straße war, und Lorenz Völker (l.), der heute Geschichte, Sport und Englisch an der Albrecht-Dürer-Oberschule lehrt, waren Teilnehmer der Gesprächsrunde, die von Ramona Krammer (r.), wissenschaftliche Volontärin des Museums, moderiert wurde.

Anfang der 1970er Jahre machte sich auch an der ADO, wo traditionell eine konservative und nicht diskussionsfreudige Atmosphäre geherrscht hatte, mit einer neuen Generation junger Referendarinnen und Referendare, die in den Schuldienst kam, Aufbruchstimmung breit. Konservative und autoritäre Lehrkräfte, gegen die die Schülerschaft lange Zeit vergeblich aufbegehrt hatte, verloren im Kollegium zahlenmäßig an Einfluss. Gesellschaftlicher Wandel, Demokratisierung sowie die Ideale der Studenten- und Bürgerrechtsbewegung zogen in den Schulalltag ein. Die Schüler sollten Gegebenes hinterfragen, mussten lernen, selbstständig zu lernen und wurden gleichzeitig zu Kooperation und Gruppenarbeit angeregt. Andererseits erzeugte die rigorose Anwendung des Radikalenerlasses, für die in Neukölln zwischen 1971 und 1981 der Bezirksstadtrat für Volksbildung Gerhard Böhm verantwortlich war, aber Angst und Verunsicherung bei Teilen der Lehrer- und Schülerschaft., wie Dargusch und Cramer als Zeitzeugen berichteten.

Heute ist vieles selbstverständlich, was 1968 und in den Folgejahren eingeführt wurde, etwa ein weniger autoritäres Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Nur sind die Jugendlichen an der Albrecht-Dürer-Oberschule anscheinend weniger politisch als frühere Schülergenerationen.

=Christian Kölling=

3 Antworten

  1. Zwei Erlebnisse sind mir als Vater dreier Kinder in Erinnerung geblieben, die in diesen Jahren dort zur Schule gingen:
    Die Ablehnung eines älteren Mathelehrers mit der Folge von schlechten Noten und der Behauptung, nichts verstehen zu können. Doch das Gegenteil war der Fall, wie ich mich als freiwilliger Mathe-Nachhilfelehrer der Klasse mit Genehmigung des Schulleiters überzeugen konnte. So praktische Aufgaben, die Erwartung, zunächst das Ergebnis einzuschätzen, auf Einheiten zu achten und dann dessen sorgfältige Bewertung der einzelnen Schritte hatten sie noch nicht kennen gelernt und lieber gleich aufgegeben..
    Und zweitens ein anderer, der Ernst machte mit dem selbständigen Lernen in der Oberstufe. Wenn niemand mitmachte, las er Zeitung.

    Folgen von 68? Vermutlich. Doch alles wurde von den sich schnell ändernden Zusammensetzungen der Klassen überlagert, denen Schule sich anpassen musste – leider ohne dass sich der Stoffplan änderte.

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  2. Da wäre der Schüler von Michael Cramer, Klassenkammerad von Dargusch und Kölling, sowie Kollege von Völker gern dabei gewesen….
    Gruß Marco Guhl

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    • Du kannst noch dabei sein: die Ausstellung geht noch bis zum Jahresende…
      Schöne Weihnachten & einen guten Rutsch
      LG Dani Dagusch

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