Oft werden rohe Gewalt und selbst Tötungsdelikte als Familiendrama bagatellisiert

„Gewalt kommt nicht in die Tüte“, hieß eine Kampagne, die vor einigen Jahren nicht nur in Neukölln für Aufsehen sorgte und auf das Problem häuslicher Gewalt aufmerksam machte. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey kündigte kürzlich ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen an.

Cordula Klein, die SPD-Fraktionsvorsitzende in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung, verfolgt das Thema kontinuierlich und fordert, häusliche Gewalt wirkungsvoll zu bekämpfen und die Opfer zu unterstützen. „Die von Franziska Giffey vorgestellten Zahlen des Bundeskriminalamtes zu Gewalt in der Partnerschaft machen wütend und betroffen“, erklärte Klein in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung. Im Jahr 2017 seien durch ihre Partner oder Ex-Partner insgesamt 138.893 Personen Opfer versuchter und vollendeter Taten geworden. Zu den Delikten gehören Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Insgesamt waren 113.965 Frauen von Partnerschafts-gewalt betroffen. Die Auswertung des Bundeskriminalamtes zeigt: Es sind zu über 82 Prozent Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen sind. Fast die Hälfte von ihnen lebte in einem Haushalt mit dem Tatverdächtigen.“, hält der Bericht der Familienministerin fest.

Auch in Neukölln sind für viele Menschen Misshandlungen in bestehenden oder ehemaligen Partnerschaften alltäglich. Deswegen müssen wir umso mehr sowohl gegen die Gewalt an sich als auch gegen ihre Ursachen vorgehen“, sagt Cordula Klein. Gewalt gegen Frauen wirke sich zudem verheerend auf die in der Familie lebenden Kinder aus, die später als Erwachsene die selbst erlebte Gewalt in eigenen Beziehungen als Täter oder Opfer fortführten. „Unverständlicherweise werden Akte roher Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten oft als ‚Familiendrama‘ bagatellisiert. Hier kommt ein gesellschaftliches Verständnis zum Ausdruck, das es Opfern schwer macht, sich zu wehren“, kritisiert die SPD-Politikerin. Die Betroffenen müssten deswegen ausdrücklich ermutigt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Häusliche Gewalt ziehe sich durch alle sozialen Schichten und sei nicht nur ein Problem migrantischer Herkunftskulturen. Die Anzahl der verfügbaren Plätze in Frauenhäusern müsse dringend aufgestockt werden, um im Akutfall schnelle Hilfe leisten zu können. Cordula Klein plädiert in ihrer Stellungnahme auch für die Einrichtung von Männerhäusern, um das bestehende Angebot zu erweitern.

Hilfe für Betroffene:

Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000 116 016 (täglich 0 – 24 Uhr): Beratung – auch anonym – in 17 Sprachen; Anrufe tauchen nicht im Verbindungs-nachweis auf.

BIG-Hotline bei häuslicher Gewalt gegen Frauen: 030 – 611 03 00 (täglich 8 – 23 Uhr): Telefonische Hilfe, Beratung, Unterstützung und Vermittlung von freien Plätzen in Frauenhäusern.

Kindernotdienst: 030 – 61 00 61 (täglich 0 – 24 Uhr): Beratung für Kinder, Eltern und andere; kurzfristige Aufnahme von Kindern in Notsituationen.

Überblick über spezielle Hilfsangebote für Migrantinnen

=Christian Kölling=

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