„Die Aufwertung sozialer Berufe ist die Schlüsselaufgabe für das 21. Jahrhundert!“

„Is dit schön, ma wieda hier zu sein!“, begrüßte Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey am Donnerstagabend in der Aula der Britzer Otto-Hahn-Schule die vielen Aktiven aus dem Neuköllner Sozialbereich und der Kommunal-politik, die sie aufgrund ihrer früheren Arbeit als Bezirksbürgermeisterin und Bildungsstadträtin oft persönlich kennt. Der Neuköllner SPD-Bundestags-abgeordnete Dr. Fritz Felgentreu und sein Pankower Fraktionskollege Klaus Mindrup hatten die Veranstaltung organisiert, um der Ministerin die Gelegenheit zu geben, das jüngst im Parlament eingebrachte Gute-KiTa-Gesetz und seine 10 Handlungsfelder für mehr Qualität und gute Arbeitsbedingungen im Detail anschaulich vorzustellen: Eine große blaue Tasche, in der 10 Würfel steckten, leistete dabei gute Dienste.

5,5 Milliarden Euro will der Bund in den kommenden vier Jahren zur Verfügung stellen, um die Qualität der Kinderbetreuung in ganz Deutschland zu verbessern und den Abbau von Kita-Gebühren voranzubringen. Allein 300 Millionen Euro sind für Berlin vorgesehen. Bundesweit soll die Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindertagesbetreuung weiterentwickelt werden. „Hierdurch soll ein Beitrag zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse für das Aufwachsen von Kindern im Bundesgebiet und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf geleistet werden“, wird in Paragraf 1 des Gesetzes erläutert. „Die Aufwertung sozialer Berufe ist die Schlüsselaufgabe für das 21. Jahrhundert!“, sagte Giffey. In Deutschland seien 5,7 Millionen Menschen im Sozialbereich tätig – in oft schwierigen Arbeitsverhältnissen. 80 Prozent der Beschäftigten seien Frauen. In den Bereichen Gesundheit, und Erziehung – aber auch im Handwerk – bestehe ein robuster Fachkräftemangel, weil die Bezahlung nur unterdurchschnittlich sei.

Micaela Daschek, stellvertretende Geschäftsführerin und fachliche Leitung beim Kreisverband Südost der AWO Berlin, die ihre Erwartungen an das Gute-KiTa-Gesetz aus Neuköllner Sicht formulierte, erhofft sich vom Gesetz u. a. starke KiTa-Leitungen mit mehr Zeit für wichtige Leitungs-aufgaben sowie qualifizierte Fachkräfte durch eine Optimierung der Ausbildung und bessere Unterstützung durch Fachberatung. Zum Wohl der Kinder müsse besonders auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, auf die Förderung der Bewegung, auf Gesundheitsbildung sowie auf die Verankerung der sprachlichen Bildung im KiTa-Alltag geachtet werden.

Viel Raum nahm in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum der akute KiTa-Platz-Mangel in Berlin ein. 6.000 bis 10.000 KiTa-Plätze könnten in der Stadt sofort bereit gestellt werden, wenn genügend Fachkräfte vorhanden wären, schätzte Giffey. „Wir brauchen aber auch in Berlin noch zusätzlich neue Gebäude“, fügte die Ministerin an. Ein Vater aus dem Schillerkiez beklagte, wie schwer es sei, allein auf die Warteliste für einen KiTa-Platz zu kommen. Nur zwei KiTas hätten die Anmeldung kita karlsgartenstraße, neukölln, kitafinder neuköllnseines drei Monate alten Kindes überhaupt entgegengenommen. „In einer KiTa wurde mir wenig Hoffnung gemacht. Ich stehe in der Warteliste auf Platz 135, aber nur 15 Plätze werden vergeben“, sagte der Vater. Auch die Sprecherin der Initiative KiTa Krise Berlin, Katharina Mahrt meldete sich zu Wort. Auf der Webseite der Initiative gibt es u. a. Musterbriefe, um einen KiTa-Platz rechtlich einzufordern und Informationen zur Kostenübernahme für Babysitter. Dem jungen Vater wurde empfohlen, auch einmal bei Jugendstadtrat Liecke um Hilfe zu bitten.

=Christian Kölling=

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