Ökonomie oder Ökologie? Begehrlichkeiten um das Tempelhofer Feld wird es weiter geben

Heute vor 10 Jahren, an einem verregneten Tag, starteten und landeten die letzten planmäßigen Flüge am Flughafen Berlin-Tempelhof; um 22.17 Uhr hob der letzte Linienflug nach Mannheim ab.

„In zwei Volksentscheiden haben die Berlinerinnen und Berliner 2008 und 2014 über die Zukunft des Flughafens Tempelhof entschieden und damit den Weg für eine partizipative und lebendige Stadtentwicklung frei gemacht“, erklärte die Senatorin für Stadtentwicklung Katrin Lompscher gestern zum Jahrestag der Flughafenschließung: „Das Flughafengebäude soll in den kommenden Jahren zu einem neuen Stadtquartier und Experimentierort werden: Ein Areal voller Ideen, mit Raum zum Arbeiten und Ausprobieren, für Veranstaltungen und vielfältige Begegnungen. Das Tempelhofer Feld ist und bleibt ein Besuchermagnet: Mehr als 18 Millionen Gäste besuchten es seit der Öffnung im Frühjahr 2010.“ Mit der Öffnung des Towers, der Geschichtsgalerie und des Alliiertenmuseums werde zusätzlich ein neuer touristischer Magnet entstehen, kündigte die Senatorin an.

„Die Diskussion um das Tempelhofer Feld markierte einen Wendepunkt: Die Bürger Berlins erkämpften für sich und für Natur und Umwelt ein riesiges Refugium mitten in der Stadt“, kommentierte Herbert Lohner, Naturschutzreferent des BUND Berlin, zum Jubiläum: „Gerade in Zeiten des Klimawandels wird Berlins Grün geradezu überlebensnotwendig.“

„Eine der größten inner-städtischen Freiflächen der Welt“, so bewirbt Grün Berlin den 300 Hektar großen Freiraum inmitten der Stadt, wo derzeit 18 Projekte, die mit künstlerischen, gärtnerischen und sozialen Ideen für eine Nutzung erfolgreich experimentieren und ein breites Spektrum an Angeboten geschaffen haben. „Ist das Wetter schön, kommen an einem Tag 70.000 Besucher auf das Feld“, schätzt die Initiative THF100. Allein 2017 wurden 3 Millionen Besucher auf dem weitläufigen Areal gezählt.

In den vergangenen Wochen diskutierten Politiker wegen der akuten Wohnungsnot in Berlin aber auch wieder über eine Randbebauung: Die war bereits im Gespräch, bevor sich 740.000 Berlinerinnen und Berliner in einem Volksbegehren am 25. Mai 2014 – gegen den erklärten Willen der damals regierenden SPD-CDU-Koalition – unterstützt von Linkspartei und Grünen für den Erhalt des Feldes aussprachen. Ökonomie oder Ökologie? Diskussionen, das Tempelhofer Feld zu bebauen oder gar als Regierungsflughafen zu nutzen, wird es trotz THF-Gesetz spätestens im Berliner Wahlkampf 2021 wieder geben.

=Christian Kölling=

Advertisements