Leider nichts Neues: Spitzenplatz beim Feinstaub-Ranking für die Silbersteinstraße

„Die Neuköllner Silbersteinstraße ist Feinstaub-Hotspot Deutschlands: Hier war die Belastung 2018 höher als in Halle, Gelsenkirchen oder Stuttgart“, twitterte rbb|24 am Freitag, um auf die Ergebnisse seiner exklusiven Auswertung hinzuweisen. Bereits an 32 Tagen wurde seit Jahresanfang in der Silbersteinstraße im Tagesmittel eine Feinstaub-Konzentration (PM10) von über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Dieser Grenzwert darf nach EU-Recht nur an maximal 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden.

Im Negativ-Ranking folgen unmittelbar die Frankfurter Allee in Friedrichshain-Kreuzberg und die Neuköllner Karl-Marx-Straße mit 28 bzw. 26 Überschreitungstagen. Dagegen hat sich die Situation Am Neckartor in Stuttgart, wo der Messcontainer in diesem Jahr 20 Überschreitungen registrierte, deutlich verbessert. Der Ort, der bisher deutschlandweit als größter Feinstaub-Moloch galt, verzeichnet nur eine Grenzwertverletzung mehr als das Messhäuschen in der Nansenstraße im Reuterkiez, das mit 19 Überschreitungen auf Platz 10 des Negativ-Rankings liegt. Mitverantwort-lich für die Verbesserung der Luftqualität in Baden-Württembergs Landeshauptstadt soll die Einführung eines Feinstaubalarms sein, der in der Bevölkerung große Akzeptanz finde. Vergleichbare Initiativen sind in Neukölln noch nicht zu erkennen, obwohl die Silbersteinstraße seit vielen Jahren im Feinstaub-Ranking der Berliner Straßen ganz vorne liegt.

Bislang vergeblich hat das Netzwerk Fahrradfreund-liches Neukölln seit Januar 2016 mit drei Demonstra-tionen versucht, ein öffentliches Bewustsein für die Gesundheitsgefahren zu schaffen, die mit den hohen Feinstaubbelastungen im Bezirk verbunden sind. Erst im August protestierten Demonstranten mit einem „Dirtiest Street Award“ gegen die hohen Stickoxidwerte in der Karl-Marx-Straße.

Nach Erkenntnissen des Berliner Senats, die auf einer 2017 erstellten Studie des Leipziger Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung beruhen, entsteht die Feinstaubbelastung zu 65 Prozent nicht in Berlin. Die in der Stadt entstehenden urbanen Hintergrund-belastungen kämen aber vornehmlich aus dem Verkehrs- und dem Heizungssektor, antwortete Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow im Juli auf eine Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Abgeordneten Marcel Luthe (FDP). In der Stadt kann also einiges, wenn auch nicht alles getan werden, um die Qualität der Berliner Luft deutlich zu verbessern. Für die Luftverschmutzung ist ein differenziertes Zusammenspiel von überregionalen, regionalen und lokalen Ursachen verantwortlich. „Aufgrund des großräumigen Transportes von Luftschadstoffen in der Atmosphäre gelangt ein erheblicher Anteil von Schadstoffen von außen in die Stadt. Innerhalb der Stadt kommen zu dieser regionalen Hintergrundbelastung die Emissionen von städtischen Quellen wie Kraftwerken, Industrie oder Hausbrand sowie des städtischen Verkehrs hinzu, sodass sich in der Summe die urbane Hintergrundbelastung ergibt. An Straßen führen die Emissionen des lokalen Verkehrs zu hohen zusätzlichen Belastungsspitzen“, erklären die Autoren des Berliner Luftreinhalteplans in ihrer Ursachenanalyse der Grenzwertüberschreitungen.

Deutschland muss erhebliche weitere Anstrengungen unternehmen, um die Luftqualitätsstandards der EU einzuhalten“, mahnt Karmenu Vella, der EU-Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei: „Trotz des gesenkten Ausstoßes von Luftschadstoffen ist die Luftqualität in Deutschland nach wie vor besorgniserregend. Anhaltende Verstöße gegen Luftqualitätsvorschriften haben erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt.“ Aber auch in Polen und in der Tschechischen Republik bestehe großer Handlungsbedarf, um die Luftqualität zu verbessern.

=Christian Kölling=