Acht Orte in Neukölln mit neun Veranstaltungen gegen Rechtspopulismus und Rassismus

„Kopf aus dem Sand!“, mit dieser Forderung ist die diesjährige Veranstaltungsreihe der Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus überschrieben. „Im dritten Jahr unserer Buchladen-Initiative hat sich wenig zum Besseren geändert. Anlass zur Gründung war der Einzug der Alternative für Deutschland in das Berliner Abgeordnetenhaus. Heute sitzt sie auch im Bundestag. Deutschland befindet sich scharf auf Rechtskurs“, schreiben die Initiatoren in ihrem Aufruf. Nur wer die Wirklichkeit nicht ignoriere, könne die politische Lage verstehen, um die Werte von einem demokratischen Mitein-ander und allgemeingültigen Menschenrechten zu verteidigen. Zur Eröffnung der Programmreihe besuchte der 93-jährige Holocaust-Überlebende Walter Franken-stein Ende letzten Monats die Buchhandlung Leporello auf einer Solidaritäts-veranstaltung in Rudow. Er berichtete vom Lebensmut und Widerstandswillen einer untergetauchten jüdischen Familie im Berlin der Nazizeit.

In der Buchhandlung Picturebooks wurde Freitagabend nun die Ausstellung „Aufstehen gegen den Hass!“ mit politischen Plakaten von 1990 bis heute eröffnet. Die Ausstellung in der Nordneuköllner Friedelstraße zeigt eine Auswahl politischer Plakate aus der Sammlung des Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. (Apabiz). „Ich bin froh über die Zusammenarbeit mit dem Apabiz, das uns alle Plakate für die Digitalisierung zu Verfügung stellte. Rechte Gewalt und den zivilen Aufstand gegen diesen Hass gibt es nicht erst seit gestern. Grafik und Typografie der Plakate zeigen die Spontaneität der oft eilends entstandenen Flugblätter. Die Thematik der Aufrufe hat einen beklemmend aktuellen Bezug“, sagte Buchhändlerin Jacqueline Gies zur Vernissage. Für die Präsentation wurden fast alle Plakate auf das gleiche Format gebracht. An den Plakaten ist gut zu erkennen, wie die Ästhetik und die technischen Möglichkeiten sich seit 1990 geändert haben. Sie zeigen zudem, dass Rechtsextremismus und Rassismus ein gesamtdeutsches Problem sind.

Die Veranstaltungsreihe „Kopf aus dem Sand!“ läuft bis  zum 27. Oktober. Am 9. Oktober um 19:30 Uhr lädt die Buchhandlung Die Buchkönigin (Hobrechtstr. 65) zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Rechte Verlage – Nischenprodukt oder Bestseller?“ mit Beteiligung von Apabiz und taz ein: Rechte Verlage sind seit langem auf dem Vormarsch und immer häufier auch in Sortimenten von Buchhandlungen zu finden, in denen wir sie nicht erwarten würden. Wann spricht man von rechten Verlagen, wer sind die Akteure und wie sind sie aufgestellt? Was sind ihre Themen und wie sehr wirken sie auf andere Medien und den politischen Diskurs? Wie erkennt man rechtes Gedankengut in Büchern? Wie verhält sich der Buchhandel in der Frage?

=Christian Kölling=

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