„Absurde Routinen“ ermöglicht neue Blicke auf wiederkehrende Alltagsabläufe

Bereits zum siebenten Mal bot die Berlin Art Week in der vergangenen Woche ein umfang-reiches Programm mit etablierten Künstlern ebenso wie junge Talente verschiedenster Genres. Erstmals war auch eine Neuköllner Einrichtung an der Kunstwoche als Partner beteiligt: Das KINDL – Zentrum für zeitgenössi-sche Kunst eröffnete am Wochenende die Fotoausstellung „Absurde Routinen“. Sie präsentiert Arbeiten von zehn überwiegend jungen Fotografinnen und Fotografen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Alltagsabläufen und deren überraschender Brechung beschäftigen.

Für die Kreativität können Routinen produktiv oder störend sein. Der Performance-Künstler Sebastian Stumpf übt an unterschiedlichen Orten den immer gleichen Handlungs-ablauf aus. Seine Videoarbeit „Wasserbecken“ zeigt, wie er regungslos in verschiedenen Wasserbassins im öffentlichen Raum treibt. Christoph Grills Video „Katharsis“ zeigt einen Mann aus Wladiwostok, der unermüdlich von einer niedrigen Klippe aus ins Wasser springt. Anders als vielleicht vermutet, handelt es sich nicht um einen Video-Loop, sondern um die reale Wiederholung eines Bewegungs-ablaufes. Aleksey Kondratyev beschäftigt sich in seiner Fotoserie „Ice Fishers“ mit dem außergewöhnlichen Arbeitsalltag kasachischer Fischer, die entlang eines zugefrorenen Flusses angeln. In einer der kältesten besiedelten Regionen der Erde schützen sich die Fischer mit nichts weiter als Plastikplanen oder Müllsäcken vor dem eisigen Wind.

Surreal anmutende Fotografien von Ben Zank (r.) handeln von skurrilen Situationen, alltäglichen Kämpfen und der Sehnsucht nach dem Ausbrechen aus rigiden Strukturen. Brooke DiDonatos Fotogra-fien (l.) thematisieren nicht nur das tägliche Heimkehren, sondern auch veraltete weibliche Rollenbilder. Dass es trotz aller Optimierung möglich ist, einfach einmal nicht zu funktionieren, zeigt Pierrick Sorin in seinem filmischen Selbstportrait aus dem Jahr 1988. Seine Super 8-Kamera ist auf das Bett seines Studentenzimmers gerichtet und zeichnet jeden Morgen seine Reaktionen nach dem Aufwachen auf. Selbst als Sorin wegen einer Erkältung seine Augen kaum öffnen kann, versucht er mit aller Kraft, an seiner Morgenroutine festzuhalten.

Im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst sind neben der thematischen Ausstellung „Absurde Routinen“ augenblicklich auch Kathrin Sonntags Ausstellung „Things Doing Their Thing“ und „Plateau mit Halb-figur“ von Thomas Scheibitz zu sehen. Am kommenden Sonntag ist der Eintritt frei, wie an jedem ersten Sonntag im Monat.

=Christian Kölling=