„Für ein gutes Leben in der Gropiusstadt! Wir wollen hier nicht aus- oder wegziehen!“

So fasste eine Mieterin gestern Nachmittag am Ende ihrer Rede bestimmt zusammen, was viele Mieterinnen und Mieter der Großsiedlung derzeit bewegt. Die Mieterinitiative Löwensteinring 23/25 hatte mit Unterstützung der Neuköllner Linken zur Protest-kundgebung „Mietenwahnsinn stoppen!“ auf dem Lipschitzplatz aufgerufen.

„Schon heute ist jeder Dritte in der Gropiusstadt von staatlichen Hilfen abhängig, jedes zweite unserer Kinder lebt in Armut und die älteren unter uns müssen ihre Rente aufstocken. Doch bisher waren wenigstens die Mieten niedrig. Das ändert sich jetzt rasant. Die Mieten steigen von ehemals knapp über 4 Euro pro Quadratmeter auf 7 Euro, in einigen Fällen sogar auf bis zu 12 Euro“, beschrieb Tony Pohl von den Neuköllner Linken die Situation. Edmund Kaul beispielsweise lebt seit 1967 in der Gropiusstadt. Eine Modernisierungs- und Erhaltungs-maßnahme der Gropiuswohnen GmbH bescherte ihm eine dauerhafte Mieterhöhung von 170 Euro pro Monat. „Eine kleinere Wohnung, die preiswerter ist, bekomme ich nicht“, sagte der Witwer.

„Es gibt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr in Berlin“, beklagte gemeinsam mit einem Klienten auch Heike Christ, Geschäftsführerin der Bürgerhilfe – Kultur des Helfens gGmbH, die sich um Männer und Frauen kümmert, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. „Die Menschen haben Angst, wegen Mietsteigerungen ihre Wohnung zu verlieren. Die Psyche leidet sehr darunter“, berichtete eine Stadtteilmutter, die in der Gropiusstadt Familien betreut und fügte hinzu:“Wir fordern eine bessere Wohnungspolitik.“

Pohl und die Mieterinitiative Löwensteinring 23/25 haben nach eigenen Angaben auf vielfältige Weise das Gespräch mit der Verwaltung der Gropiuswohnen GmbH gesucht, die Teil des IMW-Gruppe unter der Aktiengesellschaft IMW Immobilien SE ist. Alle Versuche seien vergeblich gewesen. Betroffen von Verdrängungseffekten durch hohe Mietsteigerungen seien aber nicht nur die Mieter der Gropiuswohnen mit insgesamt 4250 Wohneinheiten, sondern ebenso die der Deutsche Wohnen, der als Nachfolgerin der Gehag die meisten Wohnungen in der ehemaligen Sozialbausiedlung Gropiusstadt gehören.

Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu ist ebenfalls nicht gut auf die Gropius-wohnen GmbH zu sprechen. „Ich habe den Kontakt mit der Verwaltung gesucht und im Februar zwei Briefe an die Gropiuswohnen geschrie-ben. Beide sind bis heute nicht beantwortet worden“, beschwerte sich der SPD Politiker öffentlich.

Andrea Berg von der Mieterberatung Prenzlauer Berg GmbH, die seit kurzem im Auftrag des Bezirksamtes Neukölln eine unabhängige und kostenlose Mieterberatung anbietet, appellierte an die Anwesenden, bei Bedarf so schnell wie möglich die Beratungsstellen in den Räumen der Bürgerhilfe im Ärztehaus Lipschitz-allee 70 bzw. im Waschhaus-Café in der Eugen-Bolz-Kehre 12 aufzusuchen. Bei Willi Laumann vom Berliner Mieterverein, der mit einem Info-Tisch zur Protestkund-gebung gekommen war, waren die Infoblätter zum Thema Modernisierung im Nu vergriffen.

Um Strukturen zu bilden und gemeinsam gegen steigende Mieten aktiv zu werden, lädt die Mieterinitiative Löwensteinring 23/25 zum ersten Gropiusstädter Mietentisch ein: Er findet am 18. Oktober von 19 bis 21 Uhr im kleinen Saal des Gemeinschaftshauses Gropiusstadt statt.

=Christian Kölling=

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