Mahnwache in Buckow: Verbände fordern Entschärfung von Ampelkreuzungen

Eine 78-jährige Fußgängerin, die am 5. September an der Ecke Marienfelder Chaussee/Rufacher Weg in Buckow auf einem ampelgeregelten Überweg von einem rechtsabbiegenden Lkw beim Überqueren der Straße gerammt wurde, ist nun an ihren Verletzungen gestorben. Zum Gedenken an die tödlich Verunglückte riefen der Changing Cities e. V., FUSS e.V. und VCD Nordost gestern Nachmittag zu einer Mahnwache an der Unfallstelle auf. Den Angehörigen der Frau sprachen die Organisationen ihr tiefes Mitgefühl aus.

„Viele Berliner Ampelkreuzungen sind tödliche Fallen, die dringend entschärft werden müssen! Das Berliner Mobilitätsgesetz schreibt das vor!“, forderten die drei verkehrspolitischen Initiativen in einem gemeinsamen Flugblatt. Der Todesfall zeige, wie gefährdet Fußgänger auch bei grüner Ampel seien. „Die Frau wollte am 5.9. an der Ampel die sechsspurige Straße überqueren; zugleich bog ein Lastwagenfahrer aus der Querstraße Rufacher Weg auf die Marien-felder Chaussee ein. Der Lastwagenfahrer hatte nach eigener Aussage grün; die Frau aber wahr-scheinlich auch“, beschrieben die drei Verbände den Unfallhergang.

„Drei Wochen zuvor war eine 23-jährige Fußgängerin bei einem nahezu identischen Unfall in Schöneberg ebenfalls von einem abbiegenden Lkw getötet worden“, erinnerte Annabelle Wolfsturm vom Fußgängerschutzverein in ihrer Rede. Heiner von Marschall, Landesvorsitzender des VCD Nordost, sagte: „Die tödlichen Unfälle zeigen erneut, dass wir im Straßenverkehr gerade die Schwächsten schützen müssen: Ältere, Kinder und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Die ‚Vision Zero‘, also keine Toten mehr im Straßenverkehr, ist im Berliner Mobilitätsgesetz festge-schrieben und muss nun auch als oberstes Ziel aller Planungen konsequent umgesetzt werden.“ Die Mahnwache endete mit einer Schweigeminute. Anschließend wurde deutlich sichtbar am Straßenrand zur Erinnerung an den tödlichen Unfall eine weiße Figur aufgestellt.

Erst am 10. September standen Unfälle an von Ampeln geregelten Kreuzungen auf der Tagesordnung im Innen-ausschuss des Abgeordnetenhauses. Roland Stimpel vom FUSS e. V. hatte darauf hingewiesen, dass etwa die Hälfte aller Fußgängerunfälle an Kreuzungen geschehen. „Die Verkehrsströme der Fußgänger und der Fahrzeuge müssen dringend entzerrt werden“ , forderte Stimpel. Im Jahr 2017 habe die Polizei für 488 Unfälle die Ursache ‚falsches Verhalten von Fahrern an Fußgängerfurten‘ festgestellt. Bei diesen Unfällen hatten die Fußgänger Grün. 189 Unfälle habe es im gleichen Zeitraum gegeben, weil Fußgänger bei Rot gegangen waren. „Wenn mehr als doppelt so viele Fußgänger bei Grün verunglücken als bei Rot, dann zeigt das schwere Fehler im System“, sagte er Der FUSS e.V. verwies auf eine Studie, in der die Unfallforschung der Versicherer (UDV) getrennte Ampelphasen für verschiedene Verkehrsteilnehmer vorschlug.

=Christian Kölling=

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