Fest für Ganesha im Hindutempel in der Hasenheide

Das Sri Ganesha Chaturthi-Fest ist einer der höchsten hinduistischen Feiertage. In Berlin wird der Tag, an dem Lord Ganesha – Sohn des Gottes Shiva und der Göttin Parvati – für alle seine Anhänger auf der Erde erscheint, alljährlich im Sri Ganesha Hindu Tempel in Neukölln gefeiert. Entsprechend dem hinduistischen Kalender fällt das Ereignis auf den vierten Tag nach Neumond im Monat Bhaadrapada. Es ist ein sehr beliebtes Fest, das im Süden Indiens zehn Tage lang ausgiebig gefeiert wird. Am vergangenen Sonnabend versammelten sich im Tempel in der Hasenheide weit über 200 Menschen zu Ehren des populären Elefantengottes, der als der Gott der Ausbildung, des Wissens und der Fülle sowie als Entferner aller Hindernisse, Quelle des Glücks und Erfolges angebetet wird.

Während des mehrstündigen Rituals wurden religiöse Zeremonien abgehalten, um Ganesha mit speziellen Mantras, vedischen Hymnen und Opfern einzuladen und um ihm zu huldigen. In einem Schrein salbte ein Priester die Ganesha-Statue, badete sie in Nektar, reinigte sie mit Wasser und kleidete sie in ein rotes Gewand. Er bot der Statue Süßigkeiten, Blumen Kokosnüsse und Obst dar. Für eine weitere Zeremonie entzündete der Priester eine Lampe. Glocken wurden geläutet, Trommeln geschlagen.

Eine klassische Tänzerin trat in der Halle auf, bevor die Feier im Freien auf dem Gelände der Gemeinde fortgesetzt wurde, wo auf einer Fläche von 32 mal 27 Metern ein neuer Tempel gebaut wird. Der Grundstein wurde in Anwesenheit von Ex-Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bereits am 11. September 2010 gelegt. Inzwischen lugt sichtbar der 17 Meter hohe, leuchtend gelbe Turm des Tempelportals zwischen den Bäumen der Hasenheide hervor. Die Idee für die neue repräsentative Tempelanlage, die sich in den umgebenden Park harmonisch einfügen soll, geht bis ins Jahr 2005 zurück. Der Tempel soll nicht nur ein Ort für die Gläubigen sein, sondern auch allen Interessierten offen stehen. Er ist mit einem Einzugsgebiet weit über Berlin hinaus als ein Zentrum für interkulturelle und interreligiöse Begegnungen geplant. In Deutschland leben Schätzungen zufolge 100.000 Hindus, 7.000 davon in Berlin.

Bauherr des Tempels ist der Sri Ganesha Hindu Tempel e.V.. Vilwanathan Krishnamurthy (M.), Vize-Präsident des Vereins, dankte Bezirksstadträtin Karin Korte und Bernd Szczepanski, dem Vorsitzenden der Grünen BVV-Fraktion in Neukölln, die sich beide von Anfang an für den Tempel in der Hasenheide einsetzten, ganz besonders. Korte, die zwischen 2002 und 2006 Migrationsbeauftragte in Neukölln war und der ehemalige Sozialstadtrat Szczepanski, fügten in einer Zeremonie dem Bauwerk neue Steine hinzu.

Zur Sri Ganesha-Gemeinde in Berlin zählen etwa 200 Familien, die aus allen Landesteilen Indiens stammen. Seit einiger Zeit wächst die Gemeinde. „Wir werden in der Gemeinde immer mehr“, sagte Krishnamurthy , der seit Jahrzehnten in Neukölln sozialpolitisch aktiv ist und einst als Gastarbeiter aus Bangalore, der drittgrößten indischen Stadt im Bundesstaat Karnataka, nach Berlin kam.

Auffallend viele junge Familien gehörten zu den Besuchern. „Der Tempel ist ein Superprojekt, das sehr gut in die Hasenheide passt“, sagte mir Thomas Wachtel, der mit Frau und Tochter gekommen war. Zwar ist Wachtel konfessionslos und seine Ehefrau evangelischen Glaubens, er ist aber dennoch mit dem Tempel verbunden, weil sein Schwiegervater Somashekar Reddy dem Vorstand des Sri Ganesha Hindu Tempels angehört.

=Christian Kölling=

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