Neue Ausstellungen im Kessel- und Maschinenhaus

Das KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst hat sich seit seiner Eröffnung im Jahr 2016 als außergewöhn-licher Ausstellungsort in Berlin-Neukölln längst einen Namen gemacht. Im Industriedenkmal am Rand des Rollbergviertels, das im Stil des Backsteinexpres-sionismus der 1920er Jahre erbaut wurde, werden auf 1.600 Quadratmetern Ausstellungsfläche unter der künstlerischen Leitung von Andreas Fiedler mehrere große Ausstellungen pro Jahr gezeigt. Freitagvormittag stellte der Künstlerische Direktor des KINDL-Zentrums bei einer Pressevorbesichtigung die beiden neuesten Ausstellungen vor, die gestern Nachmittag offiziell eröffnet wurden

Im 20 Metern hohen und annähernd würfelförmige Kesselhaus des Kunstzentrums setzt Thomas Scheibitz die Reihe der Künstlerinnen und Künstler fort, die für diesen spektakulären Ausstellungsraum eine ortsspezifische Arbeit entwickelt haben. Nach Roman Signer, David Claerbout und Haegue Yang ist Scheibitz nun der erste Künstler, der eine auf dem Boden stehende Skulptur ausgearbeitet hat. Mit dem Werk „Plateau mit Halbfigur“ realisiert er im Kesselhaus seine bisher größte skulpturale Arbeit. Die Entwicklung dieser mehrteiligen Skulptur aus den einfachen Materialien Holz und Pappe, die ein intensiver Prozess der Formfindung und des Festlegens der Dimensionen für das gewaltige Kesselhaus begleitete, dauerte rund anderthalb Jahre. Als Ergebnis dieser akribischen Vorbereitungen fügt sich die aus sieben Teilen bestehende, komplexe Skulptur, die an ihrem höchsten Punkt gegen achteinhalb Meter hoch ist, in das Kesselhaus wie selbstverständlich ein.

Unter dem Titel „Things Doing Their Thing“ werden im Maschinenhaus 2 verschiedene Werke von Kathrin Sonntag gezeigt. Die Künstlerin untersucht die Bedingungen des Sehens, Wahrnehmens und Erkennens. Ihre oft provisorisch erscheinenden, aber dennoch fein austarierten Installationen erzeugen Unklarheiten über Raum, Zeit, Objekt oder Architektur. Sie verführen die Betrachter zu mentalen Fehlleistungen, indem die Grenze zwischen fotografischer Abbildung und Realität verwischt werden.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Installation „Problems and Solutions“ aus dem Jahr 2017. Ihr Ausgangspunkt ist eine Serie von Fotografien, mit denen Sonntag provisorische Lösungen für Probleme des Alltags dokumentiert. Mit ihrer neuesten Arbeit „Alles in Ordnung!“ widmet sich die Künstlerin mit einer 3-Kanaldiaprojektion, die 243 Text- und Bildbausteine kombiniert, dem bizarren Kosmos eines deutschen Versandkatalogs. In ihrem ebenfalls 2018 entstandenen Werk „Dinglinge“ bringt Sonntag ungleichartige Gegenstände in Collagen zusammen, Aus der Kombination unterschiedlicher Bilder entsteht ein neues eigenständig erscheinendes Objekt.

Das Werk von Thomas Scheibitz ist bis zum 12. Mai 2019 im Kesselhaus des KINDL-Zentrums zu sehen.

Die Ausstellung von Kathrin Sonntag wird bis zum 27. Januar 2019 im Maschinenhaus M2 des KINDL-Zentrums gezeigt.

Öffnungszeiten: Mi. – So. 12 – 18 Uhr; Eintritt: 5 Euro / ermäßigt 3 Euro (jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei)

=Christian Kölling=

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