Stolperstein für die Widerstandskämpferin Charlotte Adel in Britz verlegt

Der Diebstahl von 16 Stolpersteine in Neukölln im November letzten Jahres löste viel Entsetzen, Unverständnis und Empörung, aber auch eine breite Welle der Solidarität und Spendenbereitschaft aus. Allein mit Hilfe privater Spenden konnten die gestohlenen Stolpersteinen deshalb umgehend ersetzt werden. Zusätzlich regte die Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts an, dass überschüssige Spenden für neue Stolpersteine in Britz verwendet werden. Zu Ehren von Charlotte Adel verlegte der Künstler Gunter Demnig bei einer Gedenkfeier am Dienstagnachmittag vor dem Haus Backbergstraße 23 den zweiten dieser neuen Stolpersteine. Im Juni hatte Demnig den ersten neuen Gedenkstein für den Apotheker Adolf Mockrauer in das Pflaster eingelassen.

Charlotte Adel arbeitete illegal für die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, einer linken Abspaltung der SPD. Sie unterstützte Streiks, nahm im Untergrund lebende Widerstandskämpfer auf und leitete chiffrierte Briefe weiter. Bei einem Treffen mit Genossen wurde sie im August 1933 zusammen mit ihrer Tochter Lilli in ihrer Wohnung verhaftet. Am 1. Dezember 1934 folgte eine Verurteilung zu anderthalb Jahren Gefängnis. Nach ihrer Freilassung litt Charlotte Adel unter den Folgen der Haft, stand als „Politische“ unter Polizeiaufsicht, war oft arbeitslos, hatte Schulden und war einsam. Im Oktober 1937 verhängte die Deutsche Arbeitsfront ein zehnjähriges Berufsverbot gegen die ausgebildete Stenotypistin. Angesichts dieser Situation nahm sich Charlotte Adel am 14. Mai 1938 das Leben.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel und die Frauenforscherin Claudia von Gélieu, die Charlotte Adel für die Ehrung vorgeschlagen hatte, würdigten die Sozialistin in ihren Reden. Wenige Tage nach den Ausschreitungen in Chemnitz konnte auf der Gedenksveranstaltung jedoch die aktuelle Situation nicht unberücksichtigt bleiben. „Suchen wir nicht danach, was uns trennt – das führt nur dazu, was gerade in Chemnitz passiert“, appellierte Hikel an die rund 90 Kundgebungsteilnehmer. Neukölln müsse sich mit seiner kulturellen Vielfalt als Ort der Inklusion verstehen. Das sei die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft und ihrer Werte, die es zu verteidigen gelte.

=Christian Kölling=

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