Schule, Politik und Schulverwaltung proben den Dialog in der Weißen Siedlung

Das Ziel, die Lernfreude der Kinder zu steigern steht im Profil der Sonnen-Schule am Dammweg, die eine von 32 Neuköllner Grundschulen ist, an erster Stelle. Keine einfache Aufgabe, denn rund 33 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet Dammweg / Weiße Siedlung gelten als arm. Kinder, die weder einen mittelbaren Migrations-hintergrund noch unmittelbare Fluchterfahrungen haben, sind eine verschwindend kleine Minderheit. 20 Sprachen werden an der Schule gesprochen. Nur ein Viertel der Sechstklässler schafft den Übergang ins Gymnasium – das sind weit weniger als im Berliner Durchschnitt. Erst im Mai schrieb die Sonnen-Grundschule einen offenen Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres, den das Kollegium „Überlastungsbrief“ und die Medien „Brandbrief“ nannten. In der vergangenen Woche lud die Schule erstmals Kinder und Erwachsene aus der Umgebung zu einem Open Space für Fragen und Anliegen ein. Das Schlagwort „Brennpunkt-schule“ ist hier zwar trotz aller Schwierigkeiten umstritten, einig sind sich aber alle, dass gelöscht werden muss, wenn es brennt.

Ich konnte die im Terminkalender des Bezirksbürgermeisters Martin Hikel angekündigte Veranstaltung verfolgen. Die Rektorin Karoline Pocko Moukoury (l.) hatte zu ihr auch Schulbezirksstadträtin Karin Korte, Jugendstadtrat Falko Liecke, Schulrat Michael Dahms von der Regionalen Schulaufsicht Neukölln sowie die Bildungspolitikerin der Linke-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus Regina Kittler und den Neuköllner Bezirksverordneten Wolfgang Ewert von der Grünen BVV-Fraktion eingeladen.

Kinder haben immer Träume. Eltern wollen immer, dass es ihren Kindern besser geht. Bildung muss deshalb immer die höchste Priorität haben“, sagte der Bezirksbürgermeister den im großen Musikraum zahlreich erschienenen Kindern sowie Eltern, Lehrern, Erziehern und Sozialarbeitern. „Wir müssen mehr für die Unterstützung tun. Ohne Nachhilfelehrer geht es nicht. Das ist in Zehlendorf nicht anders, wo die Eltern das nötige Geld für den Nachhilfeunterricht haben“, schloss Hikel an, der noch vor kurzem an der Zehlendorfer John F. Kennedy-Schule selbst als Lehrer für Mathematik und Politische Weltkunde unterrichtete.

Wir haben generell zu wenig ausgebildete Lehrer. Wir würden auch weitere Lehrkräfte einstellen, aber wir haben nicht genug“, benannte Schulrat Dahms das aktuelle Personalproblem in Berlin, das in den nächsten drei, vier Jahren bestehen bleibe, bis eine neue Generation von Lehrerinnen und Lehrern ausgebildet sei. „Bildung fängt nicht erst in der Schule an. Wir haben auch in der vorschulischen Bildung massive Probleme“, mahnte Jugendstadtrat Liecke: „Wir brauchen mehr Menschen, die Erzieher werden wollen.“ Für die Arbeit in Brennpunktgebieten müssten Sonderzulagen gezahlt werden, wofür die Unterstützung des Senats erforderlich sei. Auch Schulstadträtin Korte beklagte den derzeitigen Mangel von Lehrern und Erziehern, wies aber auch darauf hin, dass Neukölln für die Sanierung von Schulen im Vergleich zu anderen Bezirken viel Geld investiert habe. Allein 2017 wurden hier 27 Millionen Euro für Schulsanierungen aufgewendet, wie der Neuköllner Abgeordnete Joschka Langenbrinck akribisch aufgelistet hat.

„Vielleicht können wir das Schülerparlament der Sonnen-Grundschule einmal ins Rathaus einladen“, verabschiedete sich Bezirksbürgermeister Hikel zufrieden nach anderthalbstündiger Diskussion, in der es auch um Reizthemen wie Sauberkeit und Umbaupläne an der Schule ging. Der Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur ist bereits morgen mit einer regulären Sitzung in der Sonnen-Grundschule zu Gast.

=Christian Kölling=