„Neukölln spricht viele Sprachen, auch Esperanto“

Völkerverständigung und das Streben nach Frieden sind zwei Gedanken, die mit der Idee der Plansprache Esperanto eng verbunden sind. Im Jahr 1887 veröffentlichte der jüdische Augenarzt Ludwik Zamenhof in Warschau unter dem Pseudonym Doktoro Esperanto („Doktor Hoffender“) in einer kleinen Broschüre die Grundzüge einer konstruierten Sprache, die für jeden leicht zu erlernen sein sollte. Heute wird Esperanto von Menschen in über 100 Staaten verwendet, ist aber in keinem Land der Welt als Amtssprache anerkannt. In Polen wurde Esperanto jedoch als Träger der Esperanto-Kultur zum offiziellen immateriel-len Kulturerbe erklärt.

Auf dem Esperantoplatz in Neukölln, der 1991 unweit des S-Bahnhofes Sonnenallee bei einem Rückbau der Schwarzastraße an der Braunschweiger-/Schudomastraße entstand, feierte am vergangenen Mittwoch die Esperanto-Liga Berlin e. V. zusammen mit einem Dutzend Vereinen, Institutionen und Einrichtungen aus dem Richardkiez das sechste Sommerfest.

„Neukölln spricht viele Sprachen, auch Esperanto“, begrüßte Organisator Fritz Wollenberg die Gäste zum nachbarschaftlichen und interkulturellen Austausch im Kiez. 2013 begann eine Spendenaktion der Esperanto-Liga Berlin, um zur Verschönerung des Esperantoplatzes beizutragen. Seitdem wird auf dem Platz auch das Sommerfest mit breiter Beteiligung verschiedenster Kiezakteure veranstaltet, zu denen u. a. die katholische Kirchengemeinde St. Richard, die Löwenzahn-Grundschule, das Interkulturelle Theater Zentrum sowie das Bauchhund Salonlabor gehören.

Malgorzata Bochwic-Ivanovska, Direktorin des Polnischen Instituts Berlin, würdigte das Werk des Esperanto-Gründers Zamenhof. In Polen erinnern über 100 Plätze, Straßen, Denkmale und sogar Schiffe an Esperanto und seinen Schöpfer Zamenhof. In Posen wird jedes Jahr das Festival der Esperanto-Kultur „Arkones“ veranstaltet.

Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann dankte in seiner Rede allen Beteiligten für ihr Engagement. Intakte Nachbarschaften seien eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Kiez lebenswert bleibe. Einst hatte sich die inzwischen verstorbenen Anwohnerin Eva Hoffmann aus der Braunschweiger Straße, die Esperanto seit ihrer frühesten Kindheit sprach, für die Namensgebung eingesetzt. Mit bürgerschaftlichem Engagement wurde am 14. April 1992 zum 75. Todestag von Zamenhof dort eine Eiche gepflanzt. Später wurde in der Mitte des Platzes ein Mosaik mit einem fünfzackigen Stern – dem Bildsymbol der Esperanto-Bewegung – eingelassen sowie eine Informationstafel aufgestellt.

Wer sich näher mit der Sprache Esperanto beschäftigen will, findet im Esperanto Laden Berlin in der Katzbachstraße 25 in Kreuzberg Ansprech-partner und Informationen.

=Christian Kölling=