Ausstellung beschäftigt sich mit den Spuren des Kolonialismus in Neukölln

Als einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Diskussion um die deutsche koloniale Vergangen-heit würdigte Bildungs- und Kulturstadträtin Karin Korte (M.) die bereits vor einigen Jahren vom Mobilen Museum Neukölln erarbeitete Wander-ausstellung „Verdrängte Geschichte – Spuren kolonialer Vergangenheit in Neukölln“. Freitag eröffnete sie – gemeinsam mit Bibliotheksleiterin Evelyn Stussak und Museumsleiter Dr. Udo Gößwald – die Ausstellung im Eingangsbereich der Helene-Nathan-Bibliothek.

Obwohl die Kolonialzeit des Deutschen Reiches, die 1884 mit der Kongo-Konferenz in Berlin begann und 1914 im Ersten Weltkrieg endete, nur drei Jahrzehnte dauerte, waren deutsche Wissenschaftler, Händler und Kaufleute, Entdecker und Forscher, Missionare und Soldaten von Anfang an an der Europäisierung bzw. Globalisierung der Erde von Anfang an beteiligt. Berlin entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts – neben den Hansestädten Hamburg und Bremen mit ihren Überseehäfen – schnell zur deutschen Kolonialmetropole. Spuren des Kolonia-lismus sind deshalb auch im Stadtbild Neuköllns zu finden.

Rixdorf benannte bereits im November 1890 als erste Stadt in Deutschland eine Straße nach Hermann von Wissmann, der damals gerade als Auszeichnung für die Bekämpfung von Unruhen in Deutsch-Ostafrika geadelt worden war. Erst in diesem Jahr sprach sich die BVV Neukölln für eine Umbenennung der Straße aus.

Aber auch viele Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialträume wurde in Neukölln eine aus heutiger Sicht fragwürdige Entscheidung getroffen. Eine „Kleine Kommission für Straßenumbenennungen“, die in Neukölln 1970 eingerichtet wurde, um Namensvorschläge für mehr als 30 Nummenstraßen im Bezirk zu machen, schlug vor, die vormalige Straße Nr. 562 am Hafen Britz ohne nähere Begründung nach dem Reeder und Außenhandelskaufmann Adolph Woermann zu benennen. Eine Tafel der Ausstellung vermerkt: „Der Reichtum des Hauses Woermann gründete sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst auf den Import von Palmöl aus Liberia. Adolph Woermann, Sohn des Firmengründers Carl und ab 1880 Chef des Hauses, mehrte den Reichtum des Unternehmens mit der Ausbeutung der späteren westafrikanischen Kolonie Kamerun. Auch die Annektierung des deutschen Schutzgebietes an das Deutsche Reich ein Jahr später war auf Woermanns Drängen beim Reichskanzler geschehen. Fatal wirkten sich auch die Schnapsexporte Woermanns nach Westafrika auf die dort lebenden Menschen aus.“

Auch auf dem Garnisonsfriedhof am Columbiadamm ist die koloniale Vergangenheit sichtbar: Dort liegt der „Herero-Stein“ samt einer im Oktober 2009 eingeweihten Namibia-Gedenkplatte. Während lange Zeit nur der Täter gedacht wurde, erinnert der Ergänzungsstein jetzt auch an die mehr als 50 000 von deutschen Truppen vernichteten Herero und Nama während des Aufstandes von 1904 bis 1907.

Die Ausstellung „Verdrängte Geschichte – Spuren kolonialer Vergangen-heit in Neukölln“ ist noch bis zum 3. November in der Helene-Nathan-Bibliothek (Karl-Marx-Str. 66) zu sehen; Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 11- 20, Sa. 10 – 13 Uhr.
Begleitend zur Ausstellung ist ein kleines Heft mit den Texten aller Tafeln erschienen.

Eine Stadtführung zum Thema „Koloniales Erbe in Neukölln“ hat der Veranstalter Berliner Spurensuche im Programm.

=Christian Kölling=