Ausstellung „natürlich Berlin!“ wirbt im Britzer Garten mit eindrucksvollen Fotos für die Stadtnatur

Stadt und Natur müssen keine Gegensätze sein, vielmehr kann Natur die Metropole Berlin bereichern und ihre Zukunftsfähigkeit fördern. Das ist die unmissverständliche Botschaft der Wanderausstellung „natürlich Berlin!“, mit der die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die faszinierende Schönheit des Stadtgrüns in der wald- und seenreichen deut-schen Hauptstadt einer breiten Öffentlichkeit nahebringen will. Mittwochvormittag war ich bei der Eröffnung der Ausstellung vor dem Umweltbildungszentrum im Britzer Garten.

„Über 42 Prozent der Stadtfläche sind Wälder, Gewässer, Agrarflächen und öffentliche Grünanlagen. Nur wenige wissen, dass Berlin eine der artenreichsten Städte Europas ist“, sagte Dr. Michael Gödde (l., neben Stadtrat Eberenz), der bei der Obersten Naturschutzbehörde des Landes Berlin im Referat Naturschutz, Landschaftsplanung, Forstwesen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz arbeitet. „Schon die Vorväter und Vormütter beschäftigten sich in mit Berlin mit der Stadtnatur. Zuviel Nachverdichtung im Städtebau führt dazu, dass Frei- und Grünflächen verloren gehen“, fügte Gödde hinzu. Eine Tafel der Ausstellung „natürlich Berlin!“ liefert den historischen Hintergrund seiner Aussage: „Bereits 1915 wurde der Grundstein für den heutigen Waldreichtum der Hauptstadt gelegt: Ein ‚Dauerwaldkaufvertrag‘ garantierte, dass Waldflächen nicht zu Bauland wurden. Heute sichert das Landeswaldgesetz die Berliner Wälder als Schutz- und Erholungswald“, heißt es im Text.

Die Einwohner sollten auch heute darauf achten, dass das Grün in der Stadt erhalten bleibt. Einfluss auf die Planung könnten sie etwa im Bezirk bei der Öffentlichkeitsbeteiligung nehmen, die der Aufstellung von Bebauungsplänen vorausgeht und öffentlich – u. a. mit kleinen Anzeigen in Berliner Zeitungen – angekündigt werden muss. Darüber hinaus gibt es im Land Berlin einen Landschaftsplan, der die allgemeinen Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege konkretisiert. Weil Natur und Landschaft einen eigenen Wert haben und als Grundlage für Leben und Gesundheit der Einwohner wichtig sind, sollen sie in besiedelten und unbesiedelten Bereichen der Stadt so geschützt werden, dass die biologische Vielfalt, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit und der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind.

Mit eindrucksvollen Fotos und prägnanten Texten werden auf den Schautafeln verschiedene innerstädtische Freiräume vorgestellt, die zahlreichen seltenen Pflanzen und Tieren ein Zuhause bieten. Alltagsszenen aus dem Großstadtleben, die zum Beispiel zeigen, wie Spatzen in einem Gartenlokal die Essensreste vom Teller stibitzen, hängen neben Aufnahmen aus der freien Wildbahn, wo beispielsweise eine Trauerseeschwalbe ihr Nest anfliegt, um die Küken zu füttern.

„Berlin sollte nicht nur für seine kulturelle Vielfalt und seine soziokulturelle Vielfalt in der Welt bekannt sein, sondern ebenso für seine Biodiversität“, erklärte der Neuköllner Bezirksstadtrat für Umwelt und Naturschutz Bernward Eberenz.„Die zweite Station der Wanderausstellung wird ab Oktober das Gemeinschaftshaus Gropiusstadt sein“, kündigte er an. Um sie noch attraktiver zu machen, wird die Ausstellung dann durch ein Kunstprojekt für Neuköllner Schülerinnen und Schüler ergänzt. Gabriele Heinze aus dem Referat Naturschutz der Umweltverwaltung, die die Ausstellung zusammenstellte, hatte die Idee dazu: „In Zusammenarbeit mit der Neuköllner Jugendkunstschule Young Arts werden Jugendliche unter künstlerischer Anleitung in Workshops einen Monat lang eine eigene Ausstellung erarbeiten, die unsere Ausstellung ‚natürlich Berlin!‘ ergänzt.

Ursula Müller (l.), Geschäftsführerin des Freilandl-abors Britz, das seit Oktober letzten Jahres im Umweltbildungszentrum ansässig ist, erinnerte daran, dass im Britzer Garten schon bei der Eröffnung zur Bundesgartenschau 1985 sogenannte Spontanvege-tation integriert war. „Stiftung Naturschutz, Grün Berlin und das Freilandlabor arbeiten eng zusammen, damit der Park mehr als eine einfache Erholungsfläche ist“, sagte Müller. Dank einer guten Zusammenarbeit mit Parkleiterin Gabriele Kleuvers könne das Freilandlabor selbst das Dahlienfeuer für die Umweltbildung nutzen und okölogische Aspekte der Blumen-Show darstellen.

Dass Stadt und Natur keine Gegensätze sein müssen, aber ein harmonisches Miteinander von Menschen, Tier- und Pflanzenwelt deshalb noch lange keine Selbstverständ-lichkeit ist, veranschaulichte Müller zuletzt an einem ganz praktischen Beispiel. Sie hatte beobachtet, dass Kröten und andere kleine Tiere im Britzer Garten in Gullys gestürzt waren, aus denen sie sich selbst nicht mehr befreien konnten. Am Ende der Ausstellungseröffnung stellte die Leiterin des Freilandlabors deshalb eine Krötenleiter vor, die nun zum Schutz kleiner Tiere installiert wird.

Die Schautafeln von „natürlich Berlin!“ stehen im Freien vor dem Umweltbildungszentrum des Britzer Gartens und können täglich bis zum 7. Oktober 2018 während der Parköffnungszeiten besichtigt werden.
Ab 2019 können Bildungseinrichtungen die Wanderausstellung kostenfrei ausleihen.

=Christian Kölling=