Bündnis Pro Straßenbahn setzt auf Tram statt U-Bahn und ist gegen eine Verlängerung der U7

Seit vielen Jahren wird über eine Verlängerung der U7 im Berliner Süden diskutiert, um das neue Wohngebiet in Rudow und den Flughafen BER anzubinden. Erst Ende Februar sprachen sich die Bürgermeister von Schönefeld, Treptow-Köpenick und Neukölln für den Bau der rund zehn Kilometer langen U-Bahn-Strecke aus, zu der auf Neuköllner Seite eine Station im Frauenviertel sowie in Brandenburg die U-Bahnhöfe Schönefeld-Nord, S-Bahnhof Schöne-feld, Schönefelder Seen, Kienberg und Flughafen BER gehören würden. Bereits im März 2017 votierte die Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln in einer namentlichen Abstimmung in seltener Einmütigkeit geschlossen für das Projekt.

Jetzt meldete das Bündnis Pro Straßenbahn sich mit einer kritischen Stellungnahme zu Wort: „Die Verlängerung der U7 von Rudow über das Neubaugebiet in Rudow-Süd und den Bahnhof Schönefeld zum Flughafen BER wäre aus Neuköllner Sicht sicher interessant, sollte aber auch bei der derzeitigen Haushalts- und Personallage nicht einmal in Erwägung gezogen werden“, schrieb Martin Schlegel, Verkehrsreferent des BUND Berlin anlässlich der Fertigstellung des überarbeiteten StEP Verkehr (StEP MoVe) an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. „Sinnvoller wäre hier eine kleinräumigere Erschließung der Wohngebiete mit der Straßenbahn, ausgehend vom U-Bahnhof Rudow und in Anbindung an die Südtangente“, forderte Schlegel im Namen des Bündnisses Pro Straßenbahn. In den nächsten Jahren führe nichts an einem Ausbau der Straßenbahn vorbei, weil sie wesentlich mehr Menschen transportieren könne als Busse. Anders als bei der U-Bahn sei es ohne weiteres möglich, eine neue Straßenbahnstrecke kostengünstig in relativ kurzer Zeit zu bauen, flexibler zu verlegen und Haltestellen fahrgastfreundlich in kürzeren Abständen zu planen.

Ausdrücklich begrüßte das Bündnis dagegen den Bau der bereits angekündigten Tram-Strecke von Johannisthal zum Zwickauer Damm sowie die Verlängerung der M10 von der Warschauer Brücke zum Hermannplatz, ebenso wie den Ausbau der Straßenbahnverbindungen nach Moabit, Steglitz und Blankenburg. „Das kann aber nur der Anfang sein. Langfristig muss die Straßenbahn den Bus auf allen großen Achsen ersetzen“, schrieb Schlegel an das Referat Grundsatzangelegenheiten der Verkehrspolitik. Nur so werde die Luft sauberer und nur so könne die Bevölkerung der wachsenden Stadt klimaschonend und barrierefrei befördert werden. Langfristig solle das Tram Zielnetz 2050 in den Stadtentwicklungsplan Verkehr des Bündnisses aufgenommen werden, forderte Schlegel. Die Fortschreibung des StEP Verkehr begann im April 2016. Bezugsjahr für die Ziele des StEP wird das Jahr 2030 sein, das Leitbild soll mit dem Zeithorizont 2050 eine darüber hinaus gehende, längerfristige Perspektive für die Mobilität der Zukunft entwickeln.

=Christian Kölling=