Werkstatt der Kulturen präsentiert 1. Gnaoua-Musik-Festival in Berlin

Nicht schlecht staunten die Passanten, als sich eine Musikergruppe mit bunten Kostümen, Fasstrommeln, Langhalslauten und metallenen Klappern am späten Freitagnachmittag auf dem Neuköllner Hermannplatz zu einer Gnaoua-Parade versammelte. Die Musiker und Tänzer waren aus der nahegelegenen Werkstatt der Kulturen gekommen, wo erstmals in Berlin ein dreitägiges Gnaoua-Festival stattfindet.

„Die Werkstatt der Kulturen feiert im Oktober ihren 25-jährigen Geburtstag. Zum Jubiläums-Auftakt würdigen wir die tranceartige Musik der Gnaoua“, sagte mir Philippa Ebéné, Leiterin des Kulturzentrums, als die Gruppe wieder am Festival-Ort angekommen war.

Gnaoua sind Nachfahren von Westafrikanern, die ab dem 11. Jahrhundert aus der Region um die heutigen Staaten Mauretanien, Senegal, Niger und Mali verschleppt und im Maghreb versklavt wurden. Mit ihrer rhythmusbetonten Musik erneuerten sie nicht nur den Sound Marokkos, Algeriens und Tunesiens, sondern übten auch großen Einfluss auf die internationale Entwicklung des Jazz aus. Ab den 1960er Jahren interessierten sich renommierte US-Jazzmusiker für die Musik und traten zusammen mit großen Gnaoua-Meistern auf. Auch Rockstars wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin oder Carlos Santana ließen sich von der Trance-Musik inspirieren. Zum Gnaoua-Musik-Festival in Essaouira kommen jährlich fast eine halbe Million Besucher aus der ganzen Welt nach Marokko.

Der dritte und letzte Tag des Gnaoua-Festivals Berlin beginnt heute um 15 Uhr in der Werkstatt der Kulturen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

=Christian Kölling=

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