Anwohner der Rollbergstraße wollen sich mit Verkehrslärm nicht abfinden

Einst war die Rollbergstraße bei Neuköllner Radsportfans wegen ihrer Buckelpiste berühmt-berüchtigt. Heute sorgt Verkehrslärm auf der Kopfsteinplasterstraße, die bei der Neuauflage des Rollberg-Rennens bereits 2011 aus dem Radrenn-programm gestrichen wurde, nur noch für Verdruss. Mittwochmittag trugen Anwohner aus der Seniorenwohnanlage, die in der Rollbergstraße zwischen Hans-Schiftan- und Morusstraße 108 Wohnungen zählt, mit ihren Helfern den Protest gegen Verkehrslärm auf die Straße.

Aktueller Anlass ihrer Aktion: Seit Beginn des dritten Bauabschnittes auf der Karl-Marx-Straße wird der Verkehr durch die Rollbergstraße umgeleitet. Bis vor zwei Wochen gab es an der Hans-Schiftan-Straße eine Abbiegemöglichkeit zur Werbellinstraße, die weiter bis in die Hermannstraße führte. Diese Umleitung durch die Hans-Schiftan-Straße wurde inzwischen aber aufgehoben. Ein Verkehrsschild mit weißem Pfeil auf blauem Grund gebietet nun, dass der Kraftfahrzeugverkehr nur noch geradeaus fahren, aber nicht mehr in die asphaltierte Straße vor dem Revier des Polizeiabschnitts 55 einbiegen darf. Lastwagen, Transporter, PKW und umgeleitete BVG-Busse bollern jetzt über das holprige Kopfsteinpflaster unter den Fenstern der Senioren – bis zur nächsten Ecke, wo sie in die Morusstraße einbiegen und zur Werbellinstraße fahren können.

„Der Umbau der Karl-Marx-Straße ist eine logistische Herausforderung und wie eine Operation am offenen Herz. Wir versuchen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, erklärte Bezirksstadtrat Jochen Biedermann, der mit der bezirklichen Behindertenbeauftragte Katharina Smaldino und einem Mitarbeiter der Projektsteuerung Straßenbau in Neukölln zur Kundgebung gekommen war. Die Umleitung durch die Hans-Schiftan-Straße sei aufgehoben worden, weil sie die Nutzung der Polizei-Einsatzfahrzeuge einschränke. „Die Polizeiwagen müssen jederzeit rausfahren können“, warb Biedermann bei den Demonstranten um Verständnis. Die Straßenseite gegenüber dem Polizeirevier wird seit langem mit Parkver-botschildern komplett für Einsatzfahrzeuge freigehalten.

„Wer viele Jahre lang gearbeitet hat, hat im Alter seine Ruhe verdient“, sagte Sylvia-Fee Wadehn, Geschäftsführende Vorsitzende des MoRo Seniorenwohnanlagen e. V., die zur Demonstration aufgerufen hatte. „Die rauschen hier durch, als ob das ihre Straße ist“, beschwerte sich ein Bewohner über den stark gestiegenen Umleitungsverkehr. Zwar habe ein Zebrastreifen vor dem Büro des MoRo-Seniorenprojektes die Sicherheit beim Überqueren der Straße erhöht, vor allem der Lärm rund um die Uhr sei aber unerträglich. Die Senioren würden um den Schlaf gebracht, auch wenn sie nachts die Schlafzimmerfenster geschlossen hielten. „Es wäre schon viel gewonnen, wenn Tempo 30 eingehalten wird“, sagte eine Anwohnerin.

„Die Verkehrsumleitung durch die Rollbergstraße wird voraussichtlich zwei Jahre lang andauern“, musste Biedermann den lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohnern mitteilen. Anschließend sei die Sanierung der Rollbergstraße im Bezirksamt bereits beschlossen. „Die Asphaltierung der Rollbergstraße gehört zur Fortschreibung der Sanierungsziele im Gebiet“, sagte Biedermann. „Wir müssen die Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit vebessern und Geschwindigkeit aus der Straße rausnehmen“, konkretisierte er die Ziele des Bezirkes. Solange wollen Sylvia-Fee Wadehn (r.) und ihre Mitstreiter aber nicht warten. Gestern, einen Tag nach der einstündigen Blockade-Demonstration, über die die Zeitungen und das Fernsehen ausführlich berichteten, war die Stimmung im Büro des Seniorenprojektes gut. „Wenn nichts passiert, machen wir wieder eine Demo“, kündigte Wadehn an.

=Christian Kölling=

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