Projekt „Raubdruckerin“ verewigt Details aus dem Stadtraum auf fair produzierten Taschen und T-Shirts aus Bangladesh

An Kanaldeckeln, Abluftgittern und anderen Reliefs im öffentlichen Raum gehen die meisten Menschen achtlos vorbei. Die Textildesignerin und Raubdruckerin Emma-France Raff hat dagegen genauer hingeschaut und in Details der Stadtlandschaft ausgefallene Motive für Stofftaschen und T-Shirts entdeckt. Gestern traf ich sie vor dem Jugendkunst- und Begegnungszentrum Gérard Philipe im Treptower Teil der Wildenbruchstraße bei der Arbeit für das experimentelle Street-Printing-Projekt Raubdruckerin.

Das Konzept des Projektes entwickelte Raff bereits 2006 gemeinsam mit ihrem Vater, dem Maler Johannes Kohlrusch, in dessen Atelier im ländichen Alentejo in Portugal. „Jedes Stück wird von Hand bedruckt, möglichst an Ort und Stelle des Reliefs“, erklärte die Designerin, während sie die schwarze Druckfarbe auf dem Gullideckel mit dem Bärenmotiv auftrug. „Das Arbeiten im öffentlichen Raum eröffnet Chancen für spontane Interaktionen mit Passanten. Es erzeugt eine Abhängigkeit von Wetter und Zeit und macht das Projekt organisch“, fügte sie hinzu. Das Projektteam ist in Berlin ansässig, arbeitet aber auch in Amsterdam, Lissabon, Madrid und Paris, weil das Reisen ein Teil des Konzepts ist.

„Das Projekt ist auch ein Statement gegen Billigproduktion“, sagte Raff. Alle Taschen und T-Shirts, die bedruckt werden, kommen aus Bangladesh und tragen das Textilsiegel GOTS. Der Global Organic Textile Standard ist wegen seiner hohen Standards renommiert, in Deutschland allerdings noch weitgehend unbekannt.

Der Atelier- & Showroom des Projekts „Raubdruckerin“ in der Boddinstraße 9 ist donnerstags und freitags zwischen 14 und 19 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

=Christian Kölling=

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