Weiter steigende Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen auch in Neukölln erwartet

„Wir werden die Bezirke auch künftig bei der Ausweitung von Milieuschutzgebieten für den Erhalt der sozialen Stadt unterstützen“, versicherte Sebastian Scheel, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, anlässlich der Veröffentlichung des neuen Immobilienmarktberichtes Berlin 2017/2018 am vergangenen Montag. Der jährliche erscheinende Immobilienmarktbericht gibt u. a. eine detaillierte Übersicht der Durchschnittspreise und Preisver-änderungen einzelner Teilmärkte sowie über neu begründetes Wohnungseigentum in Berlin. Grundlage der Angaben sind alle notariell beurkundeten Immobilienverkäufe in der Stadt.

Mieterinnen und Mietern dürfte besonders der deutliche Anstieg bei Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen auf 16.548 Wohneinheiten (+25 %) Sorge bereiten. Scheel erklärte: „Vor dem Hintergrund weiter steigender Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen zeigt sich, wie wichtig die Strategie der Ausweitung von Milieuschutzgebieten in Berlin ist. Schon heute werden so in 46 Gebieten rund 740.000 Berlinerinnen und Berliner vor Umwandlung und Verdrängung geschützt.“ Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, nannte den Immobilien-marktbericht dagegen eine „Bankrotterklärung an die soziale Stadtentwicklung“. Besorgniserregend sei vor allem der Preisanstieg beim Handel mit Mietwohnhäusern, bei vermieteten Eigentumswohnungen und bei unbebauten Grundstücken.

„Insgesamt haben sich zwischen 2007 und 2018 die Immobilienpreise in Neukölln deutlich mehr als verdoppelt. Da es noch viel unsanierten Bestand gibt, werden sich in den nächsten Jahren noch gute Investitionsmöglichkeiten ergeben, auch wenn sich immer mehr Milieuschutz- und Sanierungsgebiete (stark) regulierend auswirken“ , stellten Guthmann-Immoblien – Eigenwerbung: „Ihre erste Adresse für Immobilien in Berlin“- in ihrem aktuellen Marktreport für den Bezirk Neukölln fest. Das Verhältnis von selbstgenutzten Eigentumswohnungen zu Mietwohnungen betrage in Neukölln derzeit berlintypische 15 zu 85 Prozent bei etwa 155.000 Wohnungen in annähernd 25.700 Wohngebäuden.

Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann nutzte in Neukölln erstmals im Juni 2017 beim Haus Liberdastraße 10 im Reuterkiez das Vorkaufsrecht in einem sozialen Erhaltungsgebiet. „In Milieuschutz-Gebieten haben Bezirke beim Verkauf von Häusern zwei Monate Zeit, in den Kaufvertrag einzutreten, wenn ansonsten zu befürchten ist, dass die Ziele der Erhaltungssatzung konterkariert werden. Dies gilt insbesondere für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen“, teilte damals das Bezirksamt mit.

Die Angst vor Mietsteigerungen und Verdrängung ist inzwischen aber längst  aus dem Neuköllner Norden kommend in der Weißen Siedlung und der High-Deck-Siedlung an der Sonnenallee sowie in der Gropiusstadt angekommen. Ob in diesen Gebieten das Instrument der sozialen Erhaltungssatzung, ursprünglich für Altbauquartiere aus der Gründerzeit entwickelt, überhaupt angewendet werden kann, ist allerdings fraglich. Im Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg, wo im vergangenen Jahr das Bezirksamt erwogen hatte, das städtische Vorkaufsrecht für den Rückkauf des Neuen Kreuzberger Zentrums geltend zu machen, war das am Ende nicht nötig, weil der Privatinvestor den Kaufpreis nicht zur vereinbarten Frist überwiesen hatte. Eigentümerin ist jetzt die GEWOBAG, die das Zentrum mit Beteiligung der Mieter saniert.

=Christian Kölling=