Babylonisches Sprachengewirr rund um den teuersten und spektakulärsten BBB-Standort

Auf dem Platz vor dem Rathaus Neukölln liegen in lauen Sommernächten nicht nur Sprachen aus aller Welt in der Luft, wenn zahlreiche Menschen in Grüppchen auf den Stufen der Freitreppe zusammensitzen. Zum internationalen Flair des Platzes gehört auch, dass alle über Free WiFi Berlin mit ihren Geräten kostenlos, unbegrenzt und ohne Anmeldung das Internet nutzen können.

Das freie WLAN-Angebot wäre ohne die Initiative der ersten Berliner Freifunkerinnen und Freifunker, die sich 2001 in einer Moabiter Wohnung trafen, wahrscheinlich nicht entstanden. Dabei ist Freifunk kein Internet-Provider, sondern versteht sich als wichtiger Bestandteil einer solidarischen Ökonomie, wie Juliane Rettschlag in ihrem Beitrag „Freifunk – Solidarisch Anschluss finden“ erklärt, der in Bastian Ronges Buch „Solidarische Ökonomie als Lebensform“ erschien. Freifunk setzt sich für den ungehinderten Zugang zu Wissen und Informationen ein und versteht sich als wichtiger Bestandteil einer solidarischen Wissensgesellschaft, die vorhandene Nachbarschaftsbeziehungen und Sozialstruk-turen erhält und neue aufbaut.

Das Rathaus Neukölln zählt innerhalb des BerlinBackBones (BBB), der seit 2013 von der Medienanstalt Berlin Brandenburg unterstützt wird, zu den spektakulärsten Posten. Nicht nur aufgrund der herausragenden Position, die die Anlage im Rathausturm hat, sondern weil auch der politische und verwaltungstechnische Entscheidungspro-zess kompliziert war. Durch die Auflagen der Denkmalschutzbehörde und der technischen Gebäudeverwaltung waren zusätzliche Ausgaben wie z. B. für den Tausch der Turmfenster notwendig, die den Standort zum bisher teuersten innerhalb des BBB machen.

=Christian Kölling=