„Anonyme Zeichner 2018“ geht in Neukölln der Frage nach, ob Kunst tatsächlich nur von Können kommt

In Basel, Kopenhagen, Rom und anderen europäischen Städten war das Ausstel-lungsprojekt und Konzeptkunstwerk „Anonyme Zeichner“ bereits zu sehen, ebenso wie in mehreren deutschen Städten und Berliner Bezirken.

Zur Vernissage der Ausstellung „Anonyme Zeichner 2018“ in Neukölln kamen Freitagabend zahlreiche Besucher – unter ihnen Bezirksbürger-meister Martin Hikel – in die kommunale Galerie im Körnerpark. Die Idee des weitgereisten Ausstellungsprojektes, das als kollektives Gesamtkunstwerk ganz bewusst mit den gängigen Regeln des Kunstmarktes brechen will, setzte die Berlin lebende Künstlerin Anke Becker erstmals 2006 in Prenzlauer Berg erfolgreich um.

Was ist Kunst? Wie beurteile ich die Qualität eines Kunstwerkes und seinen monetären Wert? Diesen Fragen geht Projektgründerin Becker mit einem so einfachen wie erfolgreichen künstlerischen Großversuch nach. In einem offenen, internationalen Aufruf, bittet Becker ohne weitere inhaltliche Vorgaben vor jeder Austellung um die Zusendung von Zeichnungen bis zu einem Format von DIN-A3. Biographie, Alter oder Geschlecht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind unerheblich, alle Einsendungen werden anonym ausgewählt und für die Ausstellung zu einer großen Wandinstallation zusammengefügt, innerhalb der es keine Hierarchien geben soll.

Aufgrund dieser Anonymität ist ungewiss, ob das Bild, das wie eine Kinderzeichnung aussieht, vielleicht von einem bekannten Künstler stammt oder tatsächlich eine Kinderzeichnung ist. Ebenso kann eine filigrane Zeichnung entweder die Arbeit eines anerkannten Künstlers oder die eines talentierten Laien sein. Aus über 2.000 Einsendungen wählte Anke Becker für die Ausstellung im Körnerpark rund 600 Zeichnungen aus, die alle zum Preis von je 200 Euro gekauft werden können. 120 Euro gehen an den Künstler oder die Künstlerin. Der Rest wird zur Finanzierung des Projekts verwendet. Nur durch den Kauf einer Zeichnung wird das Rätsel der Urheberschaft gelüftet. Verkaufte Werke werden direkt von der Ausstellungswand genommen und der Name des jeweiligen Künstlers bzw. der Künstlerin wird an die entstehende Leerstelle auf die Wand geschrieben.

Einige der ausgestell-ten Bilder waren schon am Freitagabend rasch verkauft. Ob tatsächlich immer nur objektive künstlerische Beurteilungskriterien oder auch spekulative Momente für die Kaufent-scheidung ausschlaggebend waren blieb ungewiss. Über Kunst lässt sich schließlich nicht streiten – oder doch?!

Die Ausstellung „Anonyme Zeichner 2018“ ist noch bis zum 19. September in der Galerie im Körnerpark (Schierker Str. 8) zu sehen; Öffnungszeiten: täglich 10 – 20 Uhr. Verkaufstermine sind mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr sowie während der Begleitveranstaltungen, außerdem können Zeichnungen ab 17. Juli auch über www.anonyme-zeichner.de erworben werden.

=Christian Kölling=

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