Nichtschwimmerquote der Neuköllner Drittklässler sank in drei Jahren von 40 auf 22 Prozent

„Wissen Sie, dass ein Bericht im Facetten-Magazin einmal den Anstoß für das Pilot-Projekt ‚Neuköllner Schwimmbär‘ gegeben hat?!“ Mit dieser Frage überraschte mich die Schwimmtrainerin Daniela von Hoerschelmann Freitagfrüh bei einem Pressetermin im Kombibad Gropiusstadt. Anlass des Termins, zu dem Schul- und Sportstadträtin Karin Korte eingeladen hatte, war das Projektende des Neuköllner Schwimmbärs 2018.

Nach acht Projektwochen verabschiedeten sich von Hoerschelmann, Trainerkollegin Nicole Hilarius und ihr Unterstützerteam, zu dem drei Assistenten aus Afghanistan gehören, in die Sommerpause. Bezirksstadträtin Korte übergab am letzten Projekttag einigen Grundschülerinnen und -schülern die Urkunden.

In den vergangenen acht Wochen waren insgesamt 1.400 Schülerinnen und Schülern aus 70 Klasse der Stufe 2 von 25 Neuköllner Grundschulen in das Kombibad Gropiusstadt gekommen, wo sie jeweils eine Woche lang unter fachkundiger Anleitung der Schwimmtrainerinnen des Neuköllner Schwimmbär e.V. an die angstfreie Bewegung im Wasser mit luftgefüllten Schwimmkissen und Pool-Nudeln herangeführt wurden. Die Kinder erlernten Grundfertigkeiten wie Atmen, Schweben, Gleiten, Springen und Tauchen. Wer bereits schwimmen konnte, hatte die Möglichkeit, die Prüfung für den Schwimmpass abzulegen. Schon eine Woche vor dem Projektende hatten in diesem Jahr 208 Mädchen und Jungen das Seepferdchen-Abzeichen erschwommen; 89 Kinder bekamen das Schwimmabzeichen in Bronze und 22 erhielten das Schwimmabzeichen in Silber. Darüber hinaus wagten 744 Kinder den Sprung vom Ein-Meter-Brett und 487 hatten – auch motiviert von Helfern, die sie im Wasser erwarteten – den Mut, vom Drei-Meter-Turm zu springen.

Als Pilot-Projekt wurde der Neuköllner Schwimmbär am 1. Juni 2015 auf Initiative der damaligen Neuköllner Bezirksbürger-meisterin Dr. Franziska Giffey und Kortes Vorgänger Jan-Christopher Rämer in enger Zusammenarbeit mit den Trainerinnen der SG Neukölln gestartet. Hintergrund des Projektes: Seit langem gibt es in Neukölln überdurchschnittlich viele Mädchen und Jungen, die nicht schwimmen können – obwohl Schwimmunterricht im Land Berlin mit einer Schul-stunde pro Woche auf dem Lehrplan der 3. Klassen steht. Eine Ursache der hohen Nichtschwimmerquote ist, dass insbesondere Kinder aus arabisch- und türkischstämmigen Familien keine Wassererfahrung im vorschulischen Bereich machen. Ihnen fehlt deshalb die Grundlage, um in der 3. Klasse schwimmen zu lernen, wie der Neuköllner Schulsportleiter Marco Guhl dem FACETTEN-Magazin schon im September 2014 erklärte. Hier setzt das Projekt „Neuköllner Schwimmbär“, das inzwischen unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Giffey steht, mit einem fünftägigen Kursangebot zur Wassergewöh-nung für Kinder am Ende der 2. Klasse an.

Christiane Puppel, Klassenlehrerin der Klasse 2c der Schule am Regenweiher, bedankte sich für die Teilnahmemöglichkeit am Schwimmbär-Projekt: „Es hat den Kindern viel Spaß gemacht und alle waren glücklich, am Freitag eine Urkunde in den Händen zu halten. Die Kinder meiner Klasse freuen sich nun auf den Schwimmunterricht in der Klasse 3“, sagte Puppel.

„Das Projekt Neuköllner Schwimmbär leistet einen maß-geblichen und nachhaltigen Beitrag dabei, die Nicht-schwimmerquote an den Neuköllner Schulen weiter zu senken. Wir werden daher auch im kommenden Jahr diese Projektwochen für die Zweitklässler fördern“, versicherte Bezirksstadträtin Karin Korte. „Weitere Erfolge werden sich nur einstellen, wenn die Kontinuität gesichert bleibt. Schwimmen bedeutet Freiheit und ist eine wichtige Kultur- und Überlebenstechnik, die alle Förderung bekommen sollte“, begründete sie die Entscheidung näher. „In den letzten 4 Jahren haben über 5.400 Neuköllner Kinder der 2. Klassen am Projekt teilgenommen“, zog Korte eine Zwischenbilanz. „Der Erfolg gibt uns Recht: Bereits nach drei Jahren ‚Neuköllner Schwimmbär‘ konnte die Nichtschwimmerquote der Drittklässler Neuköllns von ursprünglich 40 auf 22 Prozent gesenkt werden“, freute sich Schul- und Sportstadträtin Korte.

Neue Perspektiven entstehen aus diesen Erfolgen auch für Daniela von Hoerschelmann (l., neben Nicole Hilarius), Vorsitzende des eigens gegründeten Vereins Neuköllner Schwimmbär: „Unser Modellprojekt erfährt inzwischen die Anerkennung der Senatsbildungsverwaltung und macht jetzt erstmals auch in anderen Bezirken Berlins Schule. Im Kombibad Seestraße werden unsere Trainerinnen aus der SG Neukölln von weiteren Trainern anderer Berliner Vereine unterstützt“, führte die Schwimmtrainerin aus.

=Christian Kölling=