Stolperstein für Adolf Mockrauer in Britz verlegt

Rund 80 Familien jüdischer Herkunft lebten vor 1933 in der Großsiedlung Britz. Einer der Einwohner, dessen Lebensgrundlage von den Nationalsozialisten zerstört und der aus der Siedlung vertrieben wurde, war der Apotheker Adolf Mockrauer, der 1868 im heutigen Toszek in Polen geboren wurde.

Gestern verlegte der Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an ihn einen Stolperstein ins Straßenpflaster vor der früheren Apotheke in der Buschkrugallee 179. Bei einer kleinen, von der Initiative Hufeisern gegen Rechts veranstalteten Gedenkfeier sprachen Sawsan Chebli, Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, sowie Bezirksbürgermeister Martin Hikel. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde mit jüdischen Liedern, vorgetragen von Olaf Ruhl.

Adolf Mockrauer führte die Albrecht-Dürer-Apotheker in der damalige Rudower Allee 86. In der Pogromnacht zum 10. No-vember 1938 zerschlugen Neuköllner Nationalsozialisten die Schaufensterscheiben sowie die Einrichtung des Geschäftes und verprügelten den 70-jährigen Apotheker. Ein Terror-Überfall unter unzähligen, der zeigte wie – beginnend mit der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar und dem Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 – die jüdische Bevölkerung während des Nationalsozialismus schrittweise und systematisch ausgestoßen, verfolgt und ermordet wurde.

Mockrauer floh ein halbes Jahr später nach Chile. Doch es gelang ihm nicht sich in seine neue Umgebung zu integrieren. Hierfür waren nicht nur seine materielle Notlage und seine mangelhaften Spanisch-Kenntnisse verantwortlich. . Seine soziale Isolation wurde noch dadurch verschärft, dass in seinem Exil in Quilpué Nationalsozialisten und Antisemiten in der Kolonie der Deutsch-Chilenen einen starken Einfluss besaßen und gegen die Flüchtlinge agitierten, wie das Museum Neukölln über Mockrauers Leben schreibt.  Im Alter von 71 Jahren nahm sich der Apotheker am 16. Sep-tember 1940 das Leben. Über das Schicksal des Mannes, der bei den Anwohnern der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung geschätzt und angesehen war, hat die Initiative Hufeisern gegen Rechts eine Broschüre erstellt, in der sein Schicksal in der NS-Zeit geschildert wird.

=Christian Kölling=

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