Natur und Urbanität in der Hasenheide: „Beides zusammen ist nicht zu haben“

Fast 70 Meter hoch ist die Rixdorfer Höhe, ein künstlicher Berg im westlichen Teil des Volksparks Hasenheide in Neukölln, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus 700.000 Kubikmetern Trümmern aufgeschüttet wurde. Bei ihrer Eröffnung 1951 bot die Anlage einen weiten Blick über Berlin.

Heute stecken auf dem höchsten Punkt des Trümmerbergs noch vier Steinquader einen kleinen leeren Platz ab, der von hohen Bäumen umgeben ist: Aussicht? Fehlanzeige! Nur auf einem der völlig verwitterten Steine ist die Inschrift „Wasserturm Neukölln“ zu erahnen; einziges Indiz dafür, dass hier einmal ein Aussichtspunkt war.

Roland Leppek, Verordneter der FDP im Neuköllner Bezirksparlament, will die Attraktivität der Rixdorfer Höhe jetzt deutlich steigern. In einem BVV-Antrag fordert Leppek den Bezirk zu einer Prüfung auf, wie und zu welchen Kosten die Aussicht auf die Stadt zu verbessern ist. Insbesondere soll geprüft werden, ob ein Aussichtsturm auf der Rixdorfer Höhe errichtet werden kann. Zur Finanzierung sollten Gelder aus EU-Struktur- oder Regionalfonds, Stiftungs- oder Eingliederungs-mitteln eingeworben werden.

Im zuständigen Ausschuss Straßen, Grünflächen und Ordnung gaben Bezirksbür-germeister Martin Hikel und Bernd Kanert, der Leiter des Grünflächenamtes, am Mittwoch erste Stellungnahmen zum Antrag ab. Pläne, einen Aussichtsturm auf der Rixdorfer Höhe habe es bereits 1986 und 1990 gegeben, erklärte Hikel. Die Kosten für die Errichtung eines Aussichtsturmes würden heute voraussichtlich 230.000 Euro betragen, sagte der Bezirksbürgermeister. „Aus ökologischer Sicht wäre ein Aussichtsturm auf der Rixdorfer Höhe nicht so gut“, gab Grünflächenamtsleiter Kanert allerdings zu bedenken. Auf dem Trümmerberg sei inzwischen ein wichtiges Biotop entstanden, das zerstört werden würde. „Entweder man will den Aussichtsturm oder das Biotop. Beides zusammen ist nicht zu haben“, sagte Kanert. Der Grünflächen-Ausschuss überwies daraufhin den FDP-Antrag an den Ausschuss für Umwelt- und Naturschutz zur Mitberatung. Die Federführung bleibt beim Ausschuss Straßen, Grünflächen und Ordnung.

Die Rixdorfer Höhe, aber auch der benachbarte Rixdorfer Teich, der 1991 für 1,3 Millionen D-Mark (rund 670.000 Euro) angelegt wurde, ziehen heute viele Vögel, Amphibien und Insekten an. Am Zugang zum Rixdorfer Teich, der im Sommer 2016 gesperrt werden musste, ist immer noch ein undatiertes Hinweisschild angebracht. „Zu unserem Bedauern muss die Steganlage aus Verkehrssicherheitsgründen bis auf weiteres gesperrt bleiben“, werden die Bürgerinnen und Bürger informiert. Gelder für eine Sanierung seien beantragt und auch in Aussicht gestellt.

Wer am morgigen Langen Tag der Stadtnatur mehr über die Flora der Hasenheide erfahren möchte, kann an einer Exkursion teilnehmen. Bei „Berliner Pflanzen können heilen Pflanzenführung durch die Hasenheide“ (16. Juni, 15:30 – 17 Uhr) zeigt die Heilpraktikerin Cornelia Titzmann, wo man Heilpflanzen findet, wie man sie erkennt und wie sie als Hausmittel angewendet werden können und wirken.

=Christian Kölling=

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