„He, du Glückliche!“ hinterfragt, was von der Rolle der Frau im DDR-Sozialismus geblieben ist

29 Lebensgeschichten ostdeutscher Großmütter, Töchter und Enkelinnen haben Monika Stenzel und Ulrike Jackwerth in ihrem Buch „He, du Glückliche“ zusammengetragen, das im Mai beim Mitteldeutschen Verlag erschien. Für ihre Buchpremiere kamen die beiden gelernten Schauspielerinnen am 2. Juni in das vollbesetzte Studio des Heimathafens Neukölln.

Monika Stenzel (r.), die die Texte schrieb, wurde in Halle an der Saale geboren und schloss eine Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ab. Die in der Wiener Neustadt geborene Ulrike Jackwerth, die für die Leitung der Interviews zuständig war, beendete ihr Schauspielstudium am Mozarteum, der Universität für Musik und darstellende Kunst in Salzburg.

Vierzig Jahre nachdem Maxie Wander – eine Österreicherin, die in der DDR lebte – ihr bahnbrechendes Interview-Buch „Guten Morgen, du Schöne“ veröffentlichte, skizzieren die Östereicherin Jackwerth und Stenzel, die 1984 die DDR verließ, in ihrem Buch „He, du Glückliche!“, wie ostdeutsche Frauen heute ihr Leben meistern und was Heimat für sie bedeutet. Als Schau-spielerinnen waren beide schon früh mit Maxie Wander konfrontiert: Monika Stenzel spielte die Rolle der Rosi am neuen theater in Halle, Ulrike Jackwerth beschäftigte sich an der Schauspielschule mit ihren Texten.

Grundlage der in Form literarischer Monologe geschriebenen Portraits waren 35 Interviews, deren Antworten teils auch verfremdet, anonymisiert und ergänzt wurden. „Was ist von der Rolle der Frau im DDR-Sozialismus geblieben?“ ist eine Leitfrage des Buches. Erkennbar werden in den schriftstellerisch bearbeiteten Biographien, wie sich Leben und Träume mit der Wende und dem Systemwechsel veränderten. Berichtet wird darüber hinaus, dass es oft immer noch etwas Verbindendes und Gemeinsames zwischen ostdeutschen Frauen ganz unabhängig von ihrer Unterschiedlichkeit und Individualität gebe. „Ich bin eine ostsozialisierte Westfrau“, sagt beispielsweise eine 28-Jährige in „He, du Glückliche“ über sich. Befragt wurden Frauen aller Alterstufen und aus unterschiedlichen Berufsgruppen zu ihrem Alltag und ihrer Arbeit, zu Familie, Kindern, Männern und Sex. „Der Osten verbindet noch immer“, bilanzierten Stenzel und Jackwerth am Ende ihrer rundum gelungenen Lesung und fragten: „Wie lange mag das noch dauern?“.

=Christian Kölling=

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