Einsatz für die Wiederbelebung einer vergessenen Tradition

„Weinbau gehört zu Britz“, das ist die Botschaft, die Elfriede Manteuffel als Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Britzer Weinkultur ins öffentliche Bewusstsein bringen will. Am vergangenen Sonnabend eröffnete der Verein bei seinem Weinblütenfest am Koppelweg 70 die Veranstaltungssaison mit einem gemütlichen Beisammensein samt Essen, Wein und Musik vom Duo Frawilo.

„Das traditionelle Handwerk des Weinanbaus existiert in Berlin seit über 300 Jahren“, erklärte Manteuffel. Schon im 13. Jahrhundert sei Wein in der Region bereitet worden. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts habe es in Berlin knapp 100 Weinberge und Weingärten gegeben. Erst im 19. Jahrhundert hätten klimatische und politische Bedingungen den Weinanbau aber vorübergehend unmöglich machten.

Manteuffel und ihre Mitstreiter im Vereinsvorstand, zu denen auch die frühere Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz Sabine Toepfer-Kataw gehört, konnten für den Britzer Weinbau schon einiges erreichen. Berlin erhielt 2016 Weinrechte und seit 2017 kann der alkoholhaltige Traubentrank aus Britz offiziell verkauft werden, auch wenn der Wein erst einmal nicht Land-, Tafel- oder Prädikatswein, sondern nur „Deutscher Wein“ genannt werden darf. Das Gelände darf zudem – eine weitere semantische Spitzfindigkeit – nicht als Weingut, sondern nur als Weingarten bezeichnet werden.

Unter dem Namen Britzer WeinKultur wird aktuell der knapp 5.000 Quadratmeter große Weingarten mit rund 1.500 Weinreben vom gemeinnützigen Agrarbörse Deutschland Ost e. V. in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Britzer WeinKultur e.V. betrieben. Aus dem Weingarten kommen zur Zeit der Weißwein Ortega, der Rotwein Acolon sowie der Rotling, ein Cuvée, das ist eine Mischung verschiedener Weine, die den Querschnitt des Britzer Weingartens wiedergibt. Winzer am Koppelweg ist seit kurzem Felix Schäfer, der bei der Agrarbörse angestellt ist.

„Der Weingarten ist kein gewinnbringendes Geschäft, sondern ein Programm der sozialen Teilhabe“, erklärte Andreas Plank von der Agrarbörse am Sonnabend bei einem Rundgang mit Bezirksbürgermeister Martin Hikel und Schulstadträtin Karin Korte. Das Jobcenter Neukölln stelle FAV- und MAE-Mitarbeiter zur Verfügung und der Verein Britzer WeinKultur unterstütze die Agrarbörse Ost bei der Öffentlichkeitsarbeit, der Bildungsarbeit und bei den vielen Veranstaltungen.

Neben dem Weinanbau dient die Britzer WeinKultur hauptsächlich als Lehrgarten, in dem Wissen über den traditionellen Weinbau in Berlin sowie über den Beruf des Winzers vermittelt wird. „Ich kann mir hier ein grünes Klassenzimmer sehr gut vorstellen“, sagte Manteuffel beim Rundgang an Bezirksstadträtin Korte gewandt. Ein Besuch auf dem Gelände, das in Nachbarschaft zum Interkulturellen Garten Perivoli liegt, eigne sich für Kitas und Schulen als spannendes Projektthema über die Nutzpflanze Wein.

Wissenswertes zum Weinanbau für Kinder, Jugendliche, Familien und Erwachsene ist bereits am 16. Juni beim Langen Tag der Stadtnatur zu erfahren.
Weitere Weinfeste: 30. Juni ab 14 Uhr: Sommerfest, 15. September ab 14 Uhr: Fest der Weinkultur. Die Veranstaltungssaison endet am 13. Oktober mit einem Weinlesefest und der Wahl einer Weinkönigin.

=Christian Kölling=

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