Die Wissmannstraße soll bald anders heißen – aber wie?

Nach einer zähen Diskussion beschloss die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung im März, dass im Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern ein neuer Name für die Wissmannstraße gefunden werden soll. Sowohl sie als auch alle weiteren am Prozess Beteiligten sollen aktiv an der Namenssuche beteiligt werden und in die Entscheidung der Umbenennung einbezogen werden. „Dazu schlagen wir vor, die Straße nach einer Frau zu benennen, die in Neukölln gelebt und/oder gewirkt hat oder einen inhaltlichen Bezug zum Thema Antikolonialismus besaß“, steht im Beschluss der BVV.

Eine Entscheidungshilfe, nach welchen afrikanischen Persönlichkeiten die Wiss-mannstraße benannte werden könnte, bietet der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER) in seinem Dossier „Stadt neu lesen“. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und ist nicht abgeschlossen. Von den rund 20 Namensvorschlägen entfällt derzeit ein Fünftel auf die Namen bekannter Frauen.

„Mein Vorschlag für die Umbenennung ist Funmilayo Ransome-Kuti“, sagte die Neuköllner Grünen-Abgeordnete Dr. Susanna Kahlefeld*, die seit langem einen neuen Namen für die Wissmannstraße fordert, dem FACETTEN-Magazin. Funmilayo Ransome-Kuti, die am 25. November 1900 geboren wurde und am 13. April 1978 in Lagos starb, war eine nigerianische Politikerin, Lehrerin, Frauen-rechtlerin und afrikanische Feministin. Ransome-Kuti setzte sich für die politische Beteiligung von Frauen und für die nigerianische Unabhängigkeit ein.

Am 2. Juni wird von 12 bis 12.30 Uhr an der Ecke Wissmannstraße/ Hasenheide zu „Wissmann muss weg!“, einer symbolischen Umbenen-nung der Wissmannstraße, eingeladen.

=Christian Kölling=

* Update: Der Namensvorschlag Funmilayo Ransome-Kuti wurde zurückgezogen. Für die Umbenennungsaktion am 2. Juni ist inzwischen auf Wunsch von Mnyaka Sururu Mboro und Christian Kopp von Berlin Postkolonial der Name Nangoiyastraße gewählt worden, wie uns Dr. Susanna Kahlefeld heute nach der Veröffentlichung des Beitrags mitteilte. Nangoiya war eine junge Frau vom Kilimandjaro, die von Carl Peters ermordet wurde.

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2 Antworten

  1. Wer soll sich erstens den Namen merken und zweitens ist der doch viel zu lang. Bis man den auf einen Umschlag geschrieben hat, ist der voll. Mein Vorsclag : Arthur Rackwitz. Er war Pfarrer in Neukölln und Sozialdemokrat. Er hätte es verdient nicht vergessen zu werden. Er schützte Juden, adoptierte ein jüdisches Mädchen und half Juden Berlin zu verlassen dafür mußte er selber ins KZ, wurde aber befreit und arbeitete weiter an unserer Philipp Melanchtho Kirche, Kranolstrasse

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  2. Ein Vorschlag wäre auch Gottheiner. Er wohnte in der Straße, war preußischer Militär und Armenarzt in Rixdorf. Seine Tochter (Ilse Meyer) war im heutigen „Schweitzer“-Lyzeum und nahm am jüdischen Religionsuntericht teil, bevor sie als Kommunistin emigrierte. Bei ihren regelmäßigen Besuchen in Rixdorf konnte ich immer wieder bei ihr und auch bei ihrer Tochter großes Interesse am alten Neukölln feststellen und habe mit ihnen auch die alte Wohnung besuchen können. vgl. auch Ilse Meyer: Ärztequartett, in: Rixdorfer Musen … S.198 f.(BA+Museum Neukölln 2000) Auch Ilse wäre als typische ehemalige Neuköllnerin mit großem Engagement für den Bezirk gut denkbar. Ilse ist vor ein paar Jahren gestorben. Ihre Tochter ist noch in Kontakt mit Neukölln.

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