Großes Fest vor Zwangspause und Seitenwechsel

Rund 65 Jahre lang war das 1884 gegründete Traditionsgeschäft Zauberkönig in der Neuköllner Hermannstraße direkt am U-Bahnhof Leinestraße in einem Nachkriegsbau untergebracht. Nun wird der baufällige Flachbau abgerissen.

Der Vorsitzende des Evangelischen Friedhofsver-bandes Stadtmitte hat den Inhaberinnen des Zauberkönigs, Karen German und Kirsi Hinze, einen neuen Geschäftsstandort direkt gegenüber auf dem Gelände des St. Thomas Friedhofs angeboten. Der Friedhofsverband baut dort, unmittelbar neben der geplanten Geschäftsstelle des Bundesverbandes Deut-scher Gartenfreunde, ein Verwaltungsgebäude, in dem Platz für zwei Ladengeschäfte vorgesehen ist. Eine Ladenfläche, die allerdings erst frühestens im Sommer 2019 bezogen werden kann, ist dem Zauberkönig versprochen.

„Wir freuen uns, gegenüber in ein neues Geschäft einziehen zu können. Die Nachkriegsbauten auf der Hermannstraße 84 bis 90 sind baufällig. Wir verstehen die Entscheidung, dass die Gebäude abgerissen werden“, erklärten German (r.) und Hinze (l.) ihren Kunden am Sonnabend bei einem Abschiedsfest mit buntem Zauberprogramm, das zugleich schon auf den Neuanfang im Jahr 2019 neugierig machen sollte. Am 16. Juni wird voraussichtlich der letzte Verkaufstag am angestammten Ort sein, in den der Zauberkönig 1952 aus der Friedrichstraße kommend, einzog. Nun müssen Karen German und Kirsi Hinze ihre Zauber- und Scherzartikel, Kostüme, Masken, Spielwaren und Dekoartikel vorerst über den Onlineshop vertreiben, sofern sie kein geeignetes zeitlich befristetes Ausweichquartier finden.

Der Zauberkönig wurde 1884 von Josef Leichtmann, einem Magier aus Wien, in der Friedrichstraße eröffnet. 1906 übernahm Leichtmanns Tochter Charlotte zusammen mit ihrem Mann Arthur Kroner das Geschäft und erlebte während der 1920er die beste Zeit für Magier und Illusionisten in Berlin. 1938 wurde das Geschäft der jüdischen Familie Kroner zwangsarisiert, das daraufhin die Angestellte Regina Schmidt übernahm. Charlotte und Arthur Kroner blieben mit ihrer zauberkönig berlin-neuköllnTochter Meta in Berlin. Anfang der 1940er Jahre wurde Meta nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ihre Eltern kamen der Deportation durch Suizid zuvor.

Nach dem Krieg betrieb Regina Schmidt das Geschäft weiter. 1979, nach ihrem Tod, übernahm der Berliner Illusionist Günter Klepke den Laden. 1995 übergab Klepke, ein Großvater von Karen German, ihn an seine Tochter Mona Schmidt. Deren Nichte führt den Zauberkönig nunmehr seit sechs Jahren zusammen mit Kirsi Hinze.

=Christian Kölling=

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