„Kunst kann aufrütteln und zum Nachdenken anregen“: Freitag eröffnete die Ausstellung „Entwurzelt“

Unzählige entwurzelte Bäume blieben im Herbst letzten Jahres zurück als Sturmtief Xavier auch durch Neukölln wütete. Bereits einige Monate zuvor hatte eine Orkanböe den großen Ahornbaum in einer Ecke des Körnerparks aus dem Boden gerissen. Dorothee Bienert, Galerieleiterin des Kulturamtes, und Bernd Kanert, Leiter des Grünflächenamtes Neukölln, waren sich damals bald einig, dass mit dem umgestürzten Ahorn etwas gemacht werden muss, weil er zu schade zum Wegwerfen sei. So entstand die Idee zur Ausstellung „Entwurzelt“, die am Freitagabend in der Galerie im Körnerpark von Kulturbezirksstadträtin Karin Korte eröffnet wurde.

Der Künstler Thomas Kilpper (l.) machte Teile des umgestürzten Ahornbaums zum Herzstück seiner raumgreifenden Installation, in die Porträts von Menschen integriert sind, die Opfer rassistischer Gewalt wurden oder sich dagegen wehrten. Neben eindeutig rechtsextremen Anschlägen und Übergriffen lenkt er sein besonderes Augenmerk auf Fälle, in denen Rassismus als Tatmotiv vermutet wird, wie bei den Morden an Burak Bektas und Luke Holland. Ergänzt wird die Bauminstallation, die über die Dauer der Ausstellung durch die Arbeit verschiedener Gruppen weiter wachsen wird, mit Kohlezeichnungen brennender Flüchtlingsunterkünfte aus der Serie „Burnout“ von Thomas Kilpper, die am Anfang der Ausstellung hängen.

„Sozialer Zusammenhalt und Solidarität scheinen heute mehr denn je brüchig geworden zu sein. Weltweit werden die Gesellschaften mit nationalistischen Tendenzen konfrontiert“, sagte Kuratorin Dorothee Bienert zur Eröffnung der Ausstellung. Kilpper setze dem eine andere Perspektive entgegen, indem er frage, was der Verlust der Heimat für Geflüchtete bedeutete. „Kunst kann aufrütteln und zum Nachdenken anregen“, sagte Bezirksstadträtin Korte (r.), die sich bestürzt zeigte, angesichts der großen Zahl rechtsextremer Vorfälle in Deutschland.

Die Ausstellung „Entwurzelt“ wird bis zum 4. Juli in der Galerie im Körnerpark gezeigt.

Im Rahmenprogramm findet am Samstag, 26. Mai, um 18 Uhr die Podiumsdiskussion „Zeichen setzen“ statt: Ercan Arslan, Künstler, Mitarbeiter an der Skulptur zum Gedenken an Burak Bektas, Ayse Güleçc Mitbegründerin der Friends of Halit in Kassel, Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung (angefragt) und Thomas Kilpper sprechen darüber, wie Kunst zu rechter Gewalt und Rassismus Stellung nehmen kann. Moderation: Ingo Arend, Autor und Kritiker

Über die Dauer der Ausstellung wird die Baum-Installation von Thomas Kilpper durch ein partizipatives Begleitprogramm und die Arbeit verschiedener Gruppen weiter wachsen. Sie bringen ihre eigene Geschichte, eigene Erfahrung und eigene Haltungen zu Rassismus und Widerstand, zu Entwurzelung und Verwurzelung ein:

Samstag, 2. Juni, 14 – 18 Uhr: Erinnerungsschwarm – Aktion
Bildnisse und Namen der Opfer rassistischer Gewalt werden auf Stoff gedruckt und als nomadische Mahnmale in den Stadtraum entlassen. Mit Isra Abdou.

Sonntag, 24. Juni, 16 Uhr: Das Tuch – Performance
Die Neuköllner Stadtteilmütter präsentieren ein riesiges, widerständiges Erinnerungstuch.

Mittwoch, 4. Juli, 17 – 19 Uhr: Den Baum entblättern – Abschlussevent
Alle sind eingeladen, ihre entstandenen Arbeiten abzuholen.

Mittwoch, 4. Juli, 19 Uhr: Grenzgängerbeatz – Finissage mit Lesung
Der Schriftsteller Raul Zelik liest aus seinen Erzählungen, in denen er ein differenziertes, und doch mit Humor versetztes Bild gesellschaftlicher Verhältnisse zeichnet.

=Christian Kölling=

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Eine Antwort

  1. Ist ja schön und gut, aber wer macht eine Ausstellung für die Vergewaltigungs- und Mordopfer durch sogenannte Flüchtlinge?

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