Klimaschutz ist kein Luxus-Thema: Berliner Klimatag 2018 in Neukölln gab viele Beispiele für umweltbewusstes und nachhaltiges Leben

„Wenn Deutschland beim Klimaschutz schwächelt, muss Berlin vorangehen!“ Mit dieser Forderung traf Regine Günther (r.), die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klima, am Sonntagnachmittag im CRCLR – Circular Economy House auf dem Gelände der alten Kindl-Brauerei den Nerv der vielen Besucher, die auf Einladung des BUND Berlin zum Berliner Klimatag 2018 in Neukölln gekommen waren. „Es geht längst nicht mehr nur um Umweltschutz. In der Region Berlin-Branden-burg stieg innerhalb des letzten Jahrhunderts die Jahresmitteltemperatur um durchschnittlich 1 Grad Celsius an“, warnte Senatorin Günther. Die Weite und Tiefe des Problems sei längst noch nicht in der Stadtgesellschaft angekommen. Wissenschaftler gingen heute davon aus, dass in Berlin im Jahr 2100 ein Klima herrschen wird, das es heute im südfranzösischen Toulouse gibt. Bei der CO2-Reduzierung komme es jetzt vorallem auf den Verkehrssektor an. Mehr Fahrradverkehr, Elektrobusse und Taktverdichtungen bei der S-Bahn seien unverzichtbar, um die Berliner Klimaziele zu erreichen. Der Klimatag 2018 zeigte aber auch in den Sektoren Energie, Ernährung und Konsumverhalten, wie ein nachhaltiges Leben aussehen kann.

Tilman Heuser, Geschäftsführer des BUND Berlin, und Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der von der Nachhaltigkeitsbeauftragten des Bezirks Eva Hein begleitet wurde, standen bei einem Gespräch noch zusammen, nachdem Hikel als Schirmherr der Veranstaltung ein Grußwort auf der Nachhaltigkeitsmesse gesprochen hatte. Mit über 40 Ausstellern wie der Berliner Stadtreinigung, Grüne Liga, Berlin 21 und umfangreichem Begleitprogramm, gab der Klimatag nicht nur Anregungen für Diskussionen, sondern bot auch zahlreiche Ideen fürs klimafreundliche Leben und Engagement. Landwirte aus Brandenburg, Berliner Ärzte, Mitarbeiter von Versicherungen oder der Berliner Wasserbetriebe berichteten aus ihrem Arbeitsalltag über Folgen und Probleme des Klimawandels. Fritz Reusswig vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung stellte das Projekt vor, in dem 100 Berliner Haushalte ihren CO2-Fußabdruck um 40 Prozent reduzieren sollen.

Die Yesil Cember gGmbH, die sich für niedrigschwellige Umweltbildung einsetzt und vor allem türkischsprachige Menschen für Umweltthemen und nachhaltige Lebensstile sensibilisiert, stellte u. a. ihr Deutsch-Türkisches Umwelt-Wörterbuch vor. Muharrem Batman, dessen Laden direkt um die Ecke in der Hermannstraße liegt, präsentierte an einem Marktstand auf dem Freigelände seine Modellfiguren aus Elektroschrott. Die Klima Werkstatt Spandau informierte über ihr in Berlin einmaliges Angebot, zu dem Energieberatung, Repair Cafe und Fachvorträge gehören.

Viel Aufmerksamkeit erhielt auch die Berliner Umwelt-gerechtigkeitskarte 2015, die aus medizinischer Sicht die besonders belasteten Stadtbereiche zeigt. Umweltgerechtigkeit bedeutet, dass alle in Berlin ein Recht auf Natur, auf saubere Luft, geringe Lärmbelastung und Grün vor der Haustür haben. Oft sind aber gerade die sozial benachteiligten Kieze die Gebiete mit wenig grün, viel Verkehrslärm, Luftverschmutzung und damit einhergehenden Belastungen.

=Christian Kölling=

Advertisements