Dissonanzen im Museum Neukölln

Zum Abschluss der Ausstellung „Nebeltage – 70 Jahre nach der Berliner Luft-brücke“ fand am Sonntagvormittag im Museum Neukölln eine Gesprächsrunde mit den drei Herausgebern des Buches „Die Berliner Luftbrücke, Erinnerungsort des Kalten Krieges“ statt. Die Historikerin Prof. Dr. Corine Defrance sowie ihre Kollegen Prof. Dr. Ulrich Pfeil und Prof. Dr. Jörg Echternkamp trugen im Sammelband 20 Aufsätze von Wissenschaftlerinnen und Wissen-schaftlern zusammen, in denen die Ereignisse während der Berlin Blockade 1948/49 aus unterschiedlicher Sicht dargestellt und Einschätzungen zum gegenwärtigen Stellenwert der Ereignisse gegeben werden. Die Publikation basiert auf dem Material einer Tagung, die im März 2017 in den Räumen des Alliertenmuseums stattfand.

Doch die zahlreich erschienenen Besucher – über-wiegend ältere Menschen, die die Blockade in Neukölln erlebt haben – interessierten die Analysen der Historiker und ihre Einschätzungen nur wenig. Nachdem Museumsleiter Dr. Udo Gößwald rund eine Stunde lang das Gepräch mit den Geschichtsprofessoren über die Texte des Sammelbandes geführt hatte, forderte eine Zuhörerin empört, dass endlich die zahlreich erschienenen Zeitzeugen zu Wort kommen sollten. Die Frau, die ihre Mutter ins Museum begleitet hatte, zitierte zur Untermauerung ihrer Forderung die letzte Passage des Einladungstextes zur Veranstaltung: „Sie waren dabei? Mit seiner Aufnahme von der wartenden Menschenmenge, über deren Köpfe ein bauchiges Flugzeug zur Landung ansetzt, schuf Henry Ries die Bildikone der Berliner Blockade. Einige Menschen haben sich auf dem Foto wiederentdeckt und bereits an das Museum gewandt. Die Veranstaltung gibt Ihnen die Möglichkeit, von Ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen jener Zeit zu berichten.“

Gesprächsleiter Gößwald verwies dagegen auf den Anfang seiner Einladung, wo die Vorstellung des Buches angekündigt wird. Offensichtlich habe es ein Missverständnis gegeben. Anschließend ließ der Museumsdirektor aber die Zeitzeugen zu Wort kommen. Einigen reichte dies offensichtlich nicht aus, enttäuscht verließen sie die Podiumsdiskussion. „Die Ausstellung fand ich auch nicht so prickelnd“, unterstrich eine andere Besucherin ihren Unmut. Sie war zwar bis zum Ende geblieben, hatte aber ebenfalls mehr Zeitzeugenberichte erwartet.

=Christian Kölling=

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