Modellprojekt IKMO will Migrantenorganisationen stärken

Wie können Migrantenorganisationen partizipativ in die Gesellschaft eingebunden werden? Unter dieser Fragestellung bauten der Verband für Interkulturelle Arbeit (VIA), der Club Dialog e. V. sowie der Türkische Bund Berlin Brandenburg (TBB) seit Sommer 2015 gemeinsam als Modellprojekt das Interkulturelle Kompetenzzentrum für Migrant*innenorganisa-tionen (IKMO) auf. Hauptanliegen des IKMO war es, die Potenziale seiner Adressaten zu stärken, speziell in den Bereichen Beratung, Qualifizierung, Vernetzung und Projektförderung.

Gestern zogen die drei soziokulturellen Initiativen im Sharehaus Refugio in Neukölln eine Zwischenbilanz ihres Modellversuches und gaben einen Ausblick auf das im Juni beginnende Folgeprojekt. Die Veranstaltung schloss mit einer Fachdiskussion zum Thema „Förderung der interkulturellen Öffnung auf kommunaler und Landesebene unter Einbeziehung von Migranten-Organisationen und Geflüchteten-Initiativen“ ab.

„In den Medien muss über Integration mindestens genauso viel gesprochen werden wie über die AfD“, forderte Anna Czechowska (l.) vom Landesbeirat für Migrations- und Integrationsfragen. Diese Forderung unterstützte das TBB-Vorstandsmitglied Safter Cinar (r.), kritisierte aber auch die Selbstorganisationen seiner Landleute. „Wie können wir die Türkei retten? Über diese Frage haben wir viel zu lange gesprochen“, sagte Cinar und bedauerte, dass einst vorhandene Partizipationsprojekte der EU nicht richtig genutzt worden seien. Über staatliche Förderprogramme, ihre Möglichkeiten und Grenzen gaben Stefano Weidner vom BAMF und Dr. Robin Schneider von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales dem Moderator Chadi Bahout Auskunft. Gerade für kleine Migranten-organisationen sei es schwierig, erfolgreiche Projektanträge zu schreiben und an die großen Fördertöpfe heranzukommen. „Stellen Sie Anträge, bitte geben Sie nicht auf!“, ermunterte Weidner die Anwesenden im Saal und ihre Organisationen.

„Die Stadtteilzentren in den Bezirken sollten sich interkulturell weiter öffnen, wie zum Beispiel im Nachbarschaftsheim Neukölln“, empfahl Stephan Winkelhöfer, Integrationsbeauftragter in Berlin-Mitte. Die Arbeit der Organsationen von Migranten sei oft hochwertig, auch wenn die Fördermittelakquise verbesserungsbedürftig sei und gelegentlich formale Qualifikationsnachweise fehlten. „Ich glaube, dass die Migran-tenorganisationen sich unter Wert verkaufen“, urteilte Winkelhöfer und unterstrich damit die Bedeutung von Projekten, die wie IKMO deren Selbsthilfepotenzial stärken.

=Christian Kölling=

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